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Dauer des Lagers:
Lokalisierung: Deutschland,
ABZ, 15 km nördlich von München
Grösse des Lagers:
Anzahl der Bewohner:
Nationalität : Polen
Ein Teil soll aus den Oflag II C und II D stammen (Fritz
A. Bayer)
Dauer der Lagerpost: 1945-08-01
Anzahl der Ausgaben: ausgegeben
vom Komitee des Polnischen Roten Kreuz. Markenausgabe: 4
Werte „polnischer Adler im Schild mit Umschrift“,
Buchdruck auf grauem Papier ohne Wz, in Bogen zu 5 x 5 Marken
mit Randinschrift, gez. 11, Spargummi.
1945-09-01 1. Blockausgabe 3 Mark blau mit
rotem Mittelstück, gez. und ungez., mit steigendem und
mit fallendem WZ, jeweils 12.500 Stück. Block 2:
(Marke Nr. 6) rot mit blauem Mittelstück mit und ohne WZ,
je 2.500 Stück
1945-10-01 2. Blockausgabe Block 3 und 4:
4 Marken: gez. und ungez., versch. Wz, versch. Papiere.
1945-11-01 3. Blockausgabe Block 5: 6
Marken: gez. und ungez., versch. Wz, versch. Papiere, eine
kopfstehende Marke. Auflagen zwischen 45.000 und 60.
Blöcke mit Briefen mit Stempel „poln.
Komitee München“ sind bekannt.
Wer weiss mehr?
Weiterführende Literatur: Heber,
Manfred G.: HANDBUCH der Lagerpost um 1945, Maspalomas,
1995 Heber, Manfred G.: KATALOG der Lagerpost um 1945,
Elmshorn, 1986 in beiden auch Angaben zu weiterer
Literatur Knörlein, Ruprecht: Dachau - Allach,
Polnische Lagerpost. in RB Arge Polen 1984/1 Schrift des
Briefmarkenhändlers de Hesselle aus Bad Nauheim: Nach
diesem seien die Blöcke zur Frankatur von Paketen
verwendet worden, da aber ungummiert, seien sie fast alle
zerrissen, bzw. beim Empfänger nicht beachtet worden.
849.401 DPs verliessen in 3 1/2
Jahren Deutschland.
N.N.
„Die Neue Zeitung“,
1951-08-11/12
Als die IRO am 1947-07-01 ihre
Tätigkeit begann, hatte ihre Vorgängerin, die UNRRA,
die ihr gestellte Aufgabe, die unter dem Hitlerregime nach
Deutschland und anderen Ländern verschleppten Personen in
ihre Heimatländer zurückzubringen, fast
vollständig gelöst (7 von den etwa 8 Millionen bei
Kriegsende). Die zum überwiegenden Teil in Deutschland,
aber auch in Österreich und Italien zurückgebliebene
Million DPs wollte in ihre Heimatl„nder nicht mehr
zurückkehren. „Da für sie in den besiegten
Ländern Existenzmöglichkeiten nur in sehr
beschränktem Umfange vorhanden sind, war es die
Hauptaufgabe der IRO, Länder zu finden, die bereit waren,
DPs einwandern zu lassen.“ Der Neuzuzug vom Osten und
Südosten Europas bleibt zahlenmässig weit hinter der
Auswanderung zurück.
Die ersten Länder, die DPs
in den ersten Nachkriegsjahren aufnehmen wollten, waren einige
Staaten Südamerikas. Es folgte Belgien mit der
Einwanderung von Bergarbeitern, doch wurden die
Versprechungen dort nicht gehalten, ein Teil kehrte enttäuscht
nach Deutschland zurück. Grossbritannien nahm nur
Arbeiter verschiedener Berufsklassen auf, dann folgte Canada.
Bis zum 1. Juli 1947 (Beginn der Tätigkeit der IRO)
hatten aufgenommen:
Belgien
13.199 Personen
Brasilien
1.722 Personen
Canada (nur nahe Verwandte)
313 Personen
Venezuela
814 Personen
Grossbritannien
13.355 Personen
zusammen
29.403 Personen.
Neben dieser, von einer
internationalen Organisation gelenkten Auswanderung hatte
sich als zweites System die Auswanderung auf Grund der
„sponsorship“ (Betreuung durch individuelle
Personen, meist Verwandte, im Aufnahmeland und durch
freiwillige Vereinigungen) entwickelt. Aber nur 7.500 DPs
waren bis zum 1947-07-01 auf diesem Wege ausgewandert,
darunter 2.300 Menschen nach Paraguay.
Diese beiden Formen der
Organisation der Auswanderung blieben auch unter der IRO
nebeneinander bestehen, wozu sich als dritte eine Art
Kombination der beiden Formen gesellte, wo die IRO
individuelle Arbeitgeber und „sponsors“
suchte. Die drei Formen gehen manchmal ineinander über.
Bald zeigte sich, dass es
weitaus vorzuziehen war, die Familie auf einmal auswandern zu
lassen, nicht erst den Ernährer allein. In den USA wurde
der Bann mit dem DP Act vom 1948-06-25 gebrochen, der die
Einwanderung von 204.000, später 341.000 DPs gestattete.
(Endtermin kürzlich auf 1951-12-31 verschoben.)
Die folgende Statistik zeigt die
Entwicklung in den wichtigsten Ländern:
Eingewanderte DPs vom 1947-07-01
bis 1950-12-31
Massenauswanderung auf Grund
von
individueller
Einwanderungsland
Regierungsauswahl Visa-Erteilung zusammen
Argentinien 11.745 19.277
30.972
Australien 162.755
7.788 170.543
Brasilien 20.830 3.815
24.645
Chile 3.136 1.266
4.402
Israel 120.766
- 120.766
Kanada 64.409 31.706
94.115
Neuseeland 1.947 241
2.188
Paraguay 2.934 2.773
5.707
Peru 1.919 371
2.290
USA 213.422 24.585 238.006
Venezuela 11.195 4.800
15.995
andere latein-amerikanische
Länder
192 5.339 5.531
Belgien 21.656 714
22.370
Frankreich 34.179 3.927
38.106
Niederlande 3.862 398
4.260
Schweden 1.432 2.421
3.853
Grossbritannien 81.319
4.044 85.363
andere europäische Länder
280 1.128 1.408
andere Länder 3.500
5.381 8.881
Summe 759.478
119.923 879.401
Einer der Hauptgrundsätze
der IRO ist, wenn irgend möglich, während des ganzen
Auswanderungsprozesses die Familie beisammen zu lassen. Das
gilt auch für die Seereise, für die die IRO im
Höhepunkt ihrer Tätigkeit 35 Schiffe zur Verfügung
hatte. Seit Sommer 1948 bezahlt sie dem Schiffseigentümer
eine Durchschnittsquote pro Tag der Seefahrt, berechnet nach
der vollen Fassungsmöglichkeit des Schiffes. Für
Schwangere, Kleinkinder und Kranke sind alle notwendigen
Vorkehrungen getroffen: irgendeine Epidemie, der Schrecken
früherer Auswanderer, ist niemals ausgebrochen. Im
Flugzeug sind 27.500 Personen befördert worden.
Die Tätigkeit der IRO nach
der Ankunft im Einwanderungsland ist je nach den Verhältnissen
sehr verschieden. In USA endet ihre Tätigkeit schon mit
der Ausschiffung, da hier private Organisationen alles weitere
bis zur endgültigen Unterbringung in Arbeit und
Wohnung übernehmen. In anderen Ländern
erstreckt sich die Fürsorge der IRO bis zur Aufnahme in
ein Einwanderungslager oder bis zur Übergabe an den
individuellen „sponsor“ oder an besondere
Organisationen, die sich mit dem Schutze der Neuankommenden
befassen (kirchliche Stellen, die verschiedenen
nationalen Vereine, besondere Organisationen für
Einwanderer). Bei manchen Ländern allerdings, in denen
solche Organisationen nicht existieren oder nicht genügend
wirksam sind, klagt der Bericht, dass die Mittel der IRO nicht
ausreichen, um genügenden Schutz bis zur vollen
wirtschaftlichen Eingliederung zu bieten.
Ein besonderes Verfahren wurde
für die überaus schwierige Unterbringung von
Akademikern, Künstlern, Familien mit zahlreichen Kindern
oder mehreren alten Leuten ausgearbeitet. Es wurden
schriftlichen Unterlagen mit genauer Beschreibung der
Familie, der Kenntnisse des verdienenden Familienhaupts,
mit Zeugnissen und Ergebnissen von Prüfungen und mit
Lichtbildern an die Vertreter der IRO im Einwandeerungsland
versandt, die sich nun bemühen, bei Behörden,
in der Wirtschaft oder bei privaten „sponsors“ ein
Unterkommen zu finden. Schon im ersten Jahre gelang es
auf diese Weise, über 3.000 Fälle befriedigend zu
lösen, in denen schon jede Hoffnung auf Auswanderung
aufgegeben war.
Zum Schluss bringt der Bericht
für das Finanzjahr vom 1949-07-01 bis zum 1950-06-30 eine
genaue Aufstellung der Durchschnittskosten für 264.078
Auswanderer, die pro Auswanderer 301,o5 Dollar betragen.
Versuche grösseren Stils,
die Kosten von den DP ersetzt zu bekommen, hat die IRO nicht
gemacht. Ein Versuch bei der Auswanderung nach Kanada hat aber
gezeigt, dass auch das System der Vorfinanzierung der
Auswanderung durch die IRO mit späterer Abzahlung seitens
des Einwanderers durchaus möglich ist. Nur 10 v.H. der
vorgeschossenen Kosten konnten nicht hereingebracht
werden.
Man kann nicht sagen, dass sich
die IRO in Deutschland besonderer Beliebtheit erfreut.
Das mag in erster Linie darauf zurückzuführen sein,
dass sie mit den von ihr betreuten DPs, die der deutschen
Gerichtsbarkeit nicht unterworfen sind, gewissermassen
einen Staat im Staate gebildet hat. Wer aber den Bericht der
IRO über ihre Auswanderungstätigkeit liest, wird
sein Urteil revidieren müssen und kann ihr die
Anerkennung nicht versagen, dass sie eine der gewaltigsten
Aufgaben der Nachkriegszeit, die in der Geschichte der
Auswanderung erstmalig war, sehr gut gelöst hat. Sie
verdient unseren Dank insofern, als sie dem deutschen Volk,
das an seinen eigenen Sorgen wahrlich genug zu tragen hat,
eine grosse Last abgenommen oder zumindest in weitestem
Umfang erleichtert hat. Dass sie ihre Tätigkeit in
Deutschland nunmehr voraussichtlich bis zum 1952-03-31
verlängert, um die amerikanische Einwanderungsquote noch
voll ausnützen zu können, kann man nur begrüssen.
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