Von den Engländern wurde der Ort Haaren (an der Ems) von der deutschen Bevölkerung geräumt und an polnische (entmilitarisierte) Soldaten und DPs übergeben. Zum Gedenken an den polnischen Panzer-General Maczek wurde der Ort in „Maczkow“ umbenannt.
Erst nach vielen Jahren verkleinerte sich die polnische Besetzung und die Deutschen konnten in ihr stark beschädigtes Eigentum zurückkehren.
Es dauerte nochmals viele Jahre und gerichtlicher Prozesse, ehe ein Teil der Schäden von der deutschen Regierung bezahlt wurde.
- DPAC/AC 263, Team 162: 1945-08-.. bis 1947-04-..
- DPACS/DPACCS 37/263: 1947-07-.. bis 1949-01-..
Abriss der
Geschichte der weiblichen Kriegsgefangnen-Soldaten der
Heimatarmee (AK), nach dem Warschauer Aufstand im Lager
Oberlangen (Stalag VI C).
Irena Skrzynska
Das Los der
Aufständischen, die während der Kämpfe in der Hauptstadt in
die Hände des Feindes gerieten, war vielfältig: Wenn sie in
den ersten Augustwochen nicht wie Banditen behandelt wurden
und durch Erschiessen gleich den Tod fanden, erwartete sie die
Deportation in Konzentrationslager oder zu Zwangsarbeiten nach
Deutschland.
Die
eindringlichen Interventionen seitens der polnischen
Exilregierung in London bei den Alliierten zeigte Wirkung: In
dem Kapitulationsvertrag, der am 2. Oktober in Ozarow von
beiden Seiten unterzeichnet wurde, finden sich Artikel
hinsichtlich der Männer und Frauen, die im Aufstand gekämpft
hatten. Diese gestehen ihnen Kombattantenrechte zu und daraus
folgend den Status von Kriegsgefangenen. Seitdem wurden sie in
Strafgefangenen- und Offizierslager gebracht. Die Aufsicht und
Betreuung fiel damit ausschliesslich in den Kompetenzbereich
der deutschen Streitkräfte – der Wehrmacht. Die
Kapitulationsurkunde gesteht den in Warschau kämpfenden Frauen
die gleichen Rechte wie den Männern zu. Dies war der Grund
dafür, das zum ersten Mal in der Geschichte auch Frauen als
Kriegsgefangene hinter Stacheldraht in Lagern zu sehen waren.
Zur Zeit des
Ausbruchs des Warschauer Aufstandes am 1944-08-01 zählte die
Heimatarmee in Warschau etwa 5.000 Frauen. Sie hatten
dieselben Rechte und Pflichten wie die Männer. Sie nahmen an
allen Aktionen der Heimatarmee teil und arbeiteten im Dienst
der Organisation, der Versorgung, des Nachrichtendienstes, der
Sabotage, des Sanitätswesens, der Information und der
Propaganda. Fielen sie in die Hände der Deutschen, erwartete
sie das gleiche Schicksal, wie ihre männlichen Kameraden: das
Erschiesungskommando, das Gefängnis oder das
Konzentrationslager.
Vom 5. Oktober
an begannen die Aufständischen Warschau zu verlassen. Zu Fuss
marschierten sie in die ca. 20 km entfernten zwei
Durchgangslager: Pruszkow und Ozarow. Die Insassen der
Lazarette der Aufständischen und die Verwundeten wurden auf
dem Westbahnhof in Züge verladen und in Lazarett-Lager in
Zeitheim gebracht (in diesem Transport befanden sich etwa 586
Frauen). Die zweite Gruppe der Verwundeten fuhr von Pruszkow
in die Stalags XI A nach Altengrabow und Gross-Lübars.
Die Transporte
von Ozarow führten in verschiedene Richtungen:
-- nach
Nordwesten ins Stalag X B in Sandbostel
-- in das Stalag
XI B in Fallingbostel
-- in das
Zweitlager Bergen-Belsen.
Ein anderer
südwestlich gerichteter Transport führte die Gefangenen in das
riesige Durchgangs-Lager Stalag 344 in Lamsdorf (Lambinowice).
Von hier aus wurden die Frauen in das Stalag IV B in Mühlberg
und weiter in das Stalag IV B in Altenburg überführt. Die
weiblichen Offiziere wurden in das OFLAG IX C in Molsdorf
gebracht: 382 Offiziere und 38 Gefreite.
Vom Dezember
1944 an begannen die Deutschen die Frauen aus der Heimatarmee
im Straflager VI C in Oberlangen zu sammeln.
Das gemeinsame
Schicksal aller kriegsgefangenen Frauen waren die schlechten
Bedingungen im Lager. Die Deutschen waren auf eine
Unterbringung mehrerer tausend Frauen, die den besonderen
Status von Kriegsgefangenen hatten, nicht vorbereitet. Die
Männer wurden in den seit 1939 bestehenden Lagern
untergebracht, welche unter der Obhut des Internationalen
Roten Kreuz standen. Die Frauen wurden in -vom restlichen
Lager mit Stacheldraht abgegrenzten- Baracken eingepfercht. In
der Enge, der Kälte, dem Fehlen grundlegender hygienischer
Einrichtungen und oft hungernd, mussten sie den schweren
Winter 1944/45 überstehen. Bedrängt vom Überreden und
Drohungen, auf den Kriegefangenen-Status zu verzichten und zum
„zivilen Status“ zurück-zu-kehren, was erlaubt hätte, sie in
der Industrie des Dritten Reichs zu beschäftigen, gaben sie
jedoch dem Druck nicht nach und erhoben deutlichen
Widerspruch, wie er in der Genfer Konvention von 1929
bezüglich der Rechte von Kriegsgefangenen vorgesehen war.
In den einzelnen
Lager organisierte sich das Dasein der Gefangenen unter dem
Kommando von Offizieren, die noch in Warschau dazu bestimmt
worden waren. Sie verheimlichten ihren Offiziersrang, um ihre
Kameradinnen in die Stalags zu begleiten. Ihr Ziel war sowohl
die Betreuung besonders junger Mädchen, als auch die
Aufrechterhaltung der Disziplin in den Reihen der Heimatarmee
hinter dem Stacheldraht, indem sie das Leben unter vollständig
neuartigen Bedingungen organisierten.
Unter der
Vielzahl der Kriegsgefangenen befanden sich auch Frauen mit
höherer Bildung, mehrsprachige, Künstlerinnen,
Bildungsfunktionäre. So wurde eine Serie von Vorträgen,
Gesprächen und kulturellen Betätigungen in Gang gesetzt, um
die Gemüter zu beleben und einen psychischen Zusammenbruch zu
verhindern.
Seit Dezember
1944 begannen die Deutschen, Frauen im Straflager VI C in
Oberlangen zu sammeln. Am Warschauer Aufstand nahmen rd. 5.000
Frauen teil, ca. 3.000 wurden gefangen genommen und nach
Oberlangen kamen 1.721 Personen.
Das Lager
Oberlangen hatte eine äusserst „dunkle“ Vergangenheit: Auf den
sumpfigen Gebieten des Emslandes im Nordwesten Deutschlands
gelegen, entstand es als eines von vielen Konzentrationslagern
zwischen 1933 und 1938 zur Internierung von Gegner des
Hitler-Regimes. Während des II WK wurden von der Wehrmacht
einige dieser Lager für kriegsgefangene Soldaten übernommen.
Durch das harte Klima, die Arbeit, Hunger und Krankheiten
wurde das Lager für viele ein Ort der Vernichtung. Im Oktober
1944 wurde das Straflager VI C in Oberlangen aufgrund völlig
unzureichender Lebensbedingungen aus dem Verzeichnis der
Kriegsgefangenenlager gestrichen. Das Internationale Rote
Kreuz in Genf konnte also nicht wissen, dass die polnischen
kriegsgefangenen Frauen gerade hier gefangen gehalten wurden.
Die Deutschen verwendeten das Lager VI C weiterhin als
Straflager und sie sammelten dort die polnischen „AK-lernen“
als rebellisches und unfügsames Element, weil sie den
eindringlichen Überredungs-Versuchen, als Zivilpersonen für
die deutsche Kriegsindustrie zu arbeiten, nicht nachgaben.
Die Bedingungen,
unter denen wir den Winter 1944/45 überleben sollten, waren
äusserst beschwerlich, die vermoderten Holzbaracken, in denen
Fenster und Türen undicht waren, die für 200 Personen
vorgesehenen Räume mit dreistöckigen Pritschen, die dünnen
Strohsäcke, die zwei eisernen Öfen in jeder Baracke, die mit
feuchtem Torf befeuert wurden, der mehr rauchte als heizte. In
einer der Barackenwar eine Reihe von Blechtrögen mit spärlich
fliessendem Wasser (wenn es überhaupt Wasser gab) und dahinter
einige primitive Latrinen, das stellte die gesamte sanitäre
Einrichtung dar.
Acht Baracken
wurden durch gesunde Personen bewohnt, im „Vorlager“ befand
sich die Lazarettbaracke, die Küche und die Schneiderei, das
Bad und die Entlausung. Ich erinnere mich nicht, dass die
letzteren in Betrieb gewesen wären. Eine der leerstehenden
Baracken war als Kapelle vorgesehen und die zwei übrigen
unbesetzten dienten uns als „Brennholzreserve“: wir brachen
das Holz aus den Pritschen, den Fussboden, den Rahmen heraus,
bis es zu harten Bestrafungen aufgrund der „Zerstörung von
Staatsgut“ seitens des deutschen Lagerkommandanten kam.
Die Verpflegung
war ähnlich, wie in anderen Lagern: früh und abends lauwarmer
Kräutersud, oft verschimmeltes Brot, hin und wieder ein Stück
Margarine oder ein Löffel Rübensaft. Zu Mittag bitterer
Grünkohl, madige Erbsen und zwei oder drei Pellkartoffeln.