Post der DPs

Barletta und Trani


Dauer des Lagers:

Lokalisierung:
Süd-Italien, an der Adria, nördlich von Bari

Grösse des Lagers:

Anzahl der Bewohner:

Nationalität:
Polen

Dauer der Lagerpost:

Anzahl der Ausgaben:
vom polnischen 2. Korps: Versicherungsmarken der Feldpost zur Erinnerung an Kämpfe von polnischen Truppen in Italien: 1946-01-01 bis 1946-04-28
6 Serien von Entwürfen zu je 4 Marken, die angenommenen Entwürfe stammen von der 2. Serie.
Gedruckt in der Druckerei „Novissima“ in Rom, Netztiefdruck auf gräulichem Papier, je 10 x 5 bzw. 5 x 10 Marken im Bogen auf gräulichem Papier, gez. L 11. Randinschrift bei Nr. 1 bis 3 unter der 46. und 47. Marke, bei Nr. 4 neben der 40. und 50. Marke (je 1.687 Stück)
Es wurden 150.000 Sätze bestellt und gedruckt; jedoch nur 84.350 gezähnt und gebucht, so dass die restlichen 64.650 ungezähnten Sätze (früher als Nr. 9 -12 bezeichnet) als Makulatur bezeichnet werden müssen.

  1. 45 Gr. grün „Monte Cassino“
  2. 55 Gr. blau „Ancona“
  3. 1 Zl. grau „Bologna“
  4. 2 Zl. braun „General Anders“

1 Block (19.340 Stück waren bestellt) war nicht zur Frankatur bestimmt: Der Erlös floss ausschliesslich dem „Fonds für Witwen und Waisen des 2. Korps“ zu

  1. 45 Gr. graugrün
  2. 55 Gr. graublau
  3. 1 Zl. mittelgrau
  4. 2 Zl. caput mortuum

Luftpost-Ausgabe: 1 Marke mit Überdruck. Verkauf vom 1946-10-01 bis 1946-01-15 vor der endgültigen Aufgabe der poln. Feldpost in Italien, nicht in den Umlauf gelangt.

  1. 5 Zl. caput mortuum/schwarz

1. Ausgabe der Aussiedlerhilfe 1946-02-13 bis 1946-10-15
Entwurf: Prof. Corrado Mezzana, Tiefdruck in der italienischen Wertpapierdruckerei (Instituto Poligrafico delle Staate, Officina Coste Valori) Rom auf gräulichem Papier, gelblich gummiert. gez. 14 ¼ : 14, 20.000 Sätze.
1946-02-13 bis 1946-03-18 wurden Sendungen damit von der italienischen Post befördert.

10. 1 L(ire) kopenhagenblau „Orden Virtuti Militari“
11. 3 L(ire) kirschrot „2 polnische Soldaten“
12. 5 L(ire) jadegrün „Soldat mit Witwe und Waisenkind“
13. 10 L(ire) grauviolett „Landkarte Italiens

ausgegeben vom 2. poln. Korps (?)
Luftpostausgabe: 1 Marke mit Überdruck
1946-02-28 bis 1946-03-18

14. 25 + 100 L(ire) orange/schwarz

5 Ergänzungswerte und 3 Blöcke 1946-04-10 bis 1946-10-15

15. 15 cmi nussbraun „Orden Virtuti Militari“
16. 30 cmi graugrün/brau „Madonna von Tschenstochau“
17. 50 cmi schwarz „2 polnische Soldaten“
18. 60 cmi rotbraun/mattgrün
19. 80 cmi grauviolett „Landkarte Italiens“

Block 2    20. 1 L(ire) schwarzgrau
Block 3    21. 3 L(ire) blaugrün
Block 4    22. 5 L(ire) rotbraun

Aufdruck aus Privatinitiative auf Nr. 15 – 19
es wurde in polnisch, englisch und französisch überdruckt mit „Honour the Four“ (Demokratie, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit), dazu die Unterschrift des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt.

Nr. 23.1 – 27.2

Aufdruck aus Privatinitiative auf Nr. 15 - 19
es wurde überdruckt mit einem Flugzeug und „POCZTA LOTNICZA + L x“
alle fünf Werte mit „+ L 25“
alle fünf Werte mit „+ L 50“
alle fünf Werte mit „+ L 100“
alle fünf Werte je mit „+ 2,50 L; + 3,50 L; + 4,50 L; + 5 L; + 6 L“

Nr. 28 – 47.

Gedenk-Ausgabe anlässlich des 10. Jahrestages der Kämpfe von Monte Cassino auf den Marken
1 bis 4 Aufdruck „Dziesieciolecie / * 1944 – 1954 *“

48. 45 Gr. grün/rot
49. 55 Gr. ultramarin/rot
50. 1 Zl. grau/rot
51. 2 Zl. rotbraun/schwarz

für Luftpost: Aufdruck „Poczta Lotnicza / Monte Cassino / 1945 – 1954“

52. 2 Zl. rotbraun/schwarz.

Auf Sendungen mit diesen Marken wurden 2 Sonderstempel abgeschlagen:

  1. am 1954-05-19 in Monte Cassino: fünfzeiliger Rechteckstempel „Decimo Anniversario / Della Battaglia / Monte Cassino / 2° Corpo Polaccio / 10 Maggio 1954“
  2. auf allen überdruckten Marken wurde der dreizeilige Achteckstempel mit doppelter Umrahmung, 1. und 2. Zeile unterstrichen, abgeschlagen: „Dziesieciolecie / 1944 - 1954 / Monte Cassino“.

Das 2. Polnische Korps, etwa 50.000 Mann stark, war im Februar 1944 der Achten Armee unterstellt worden, hatte aber während der Kämpfe zwischen Gen. Frybergs New Zealand Corps und der deutschen 1. Fallschirmjägerdivision kaum im Einsatz gestanden. Man hatte General Anders wissen lassen, dass der Ausgang der Schlacht um Monte Cassino darüber entscheiden würde, wann und wo seine Männer in Italien Verwendung fänden. Ein oder zwei Tage vor dem 23. März bot General Leesen den Polen die Aufgabe an, den Monte Cassino zu nehmen und anschliessend die Stadt Piedimonte. Anders griff ohne Zögern zu, obwohl er sich hinsichtlich der Schwierigkeiten und der hohen Verluste keinen Illusionen hingab.

Zu der „Schlacht um Monte Cassino“ ist ein sehr lesenswertes Buch erschienen:
Smith, E. D., Der Kampf um Monte Cassino 1944, Stuttgart, 1979
Darin Hinweise auf fast alle zugängliche Literatur dazu!

Wir sollten, um den umlaufenden Gerüchten Einhalt zu gebieten, Folgendes feststellen:
„1. die deutschen Truppen haben die Kunstschätze aus dem Kloster rechtzeitig „gerettet“, d.h. nach Rom verbracht.
2. Es bestand keine militärische Notwendigkeit zur vierstündigen Bombardierung des Klosters. Jedoch mussten die amerikanischen Truppen sich der „überzähligen“ Bomben-Bestände entledigen. Die Deutschen erlitten in den bombensicheren Kellern keine Verluste und fanden in den Ruinen besseren Schutz als vorher.
3. Nachdem die Lage für sie unhaltbar geworden war, zogen sich die Deutschen in der Nacht zurück und liessen nur die nicht-transportfähigen Verwundeten zurück. Bei den Alliierten war man zu dem Schluss gekommen, dass „den Polen“ ein „Sieg von Bedeutung“ zustände und deshalb wurde ihnen der Auftrag erteilt, das Kloster einzunehmen. Als die Polen die verlassene Ruine dann „erobert“ hatten, konnten sie über ihr dann ihren rotweissen Wimpel mit dem Polenadler hissen. Um das zu erreichen, hatte das Polnische 2. Korps in nicht ganz einer Woche 3.000 Mann verloren!“
© Smith

Jedoch ging die „polnische Eroberung von Monte Cassino“ in die Geschichtsschreibung ein!

Wie ging es weiter?
„(In den Jahren 1941 – 1942 verlor die Karpathische Brigade während der Libyschen Kämpfe um Tobruk und Gazalla Offiziere: 7 gefallen, 43 verwundet
andere Ränge: 123 gefallen, 424 verwundet.
Verglichen damit, war die Zahl der in Gefangenschaft geratenen Soldaten minimal.

Das 2. Polnische Korps innerhalb der C.M.F. (Central Mediterranean Forces): die 3 D.S.K. (Karpathische Division) kämpfte 5 Wochen an Fluss Sangro. Sie verlor keine Soldaten durch Kriegsgefangenschaft. Die 5 K.D.P. (Kresowa Division) war noch nicht im Einsatz.
Bei dem vierten Angriff auf das Kloster durch britische und amerikanische Truppen wurde auch das 2. Polnische Korps eingesetzt.
Dabei verlor die Karpathische Division: 31 Offiziere und 342 Mannschaften im Kampf gefallen;
die Kresowa Division: 51 Offiziere und 716 Mannschaften im Kampf gefallen.
Bei der 2 D.S.K. gerieten 1 Offizier und 34 Mannschaften in Kriegsgefangenschaft;
bei der 5 K.D.P gerieten 1 Offizier und 6 Mannschaften in Kriegsgefangenschaft.
(Insgesamt verlor das 2. Polnische Korps 28% seiner Truppe durch Tod oder Verwundung.)

Viele Verluste entstanden durch mangelnde Koordinierung bei den polnischen Truppen. Z.B. wurde aus den Resten der 18. Bataillons der 6. Brigade der 5 K.D.P. eine Einheit von 180 Soldaten und einer Stabs-Kompanie gebildet, welche die zurückweichenden Deutschen verfolgen sollten. Ihr Ziel war die Einnahme von Piedimonte, 3 km westlich von Monte Cassino, das die Via Cassilina beherrschte. Eine kleine Gruppe aus 14 Mann unter Olt T. Zajdzinski wurde ohne Funk in das unbekannte Gelände geschickt, um festzustellen, ob Piedimonte von Deutschen frei sei. Eine Stunde später kam ein Befehl, die Gruppe zurückzurufen und so wurden drei Soldaten losgeschickt, um den Befehl zu übermitteln. Schliesslich geriet Zajdzinski in Kriegsgefangenschaft.
1948 stellte Zajdzinski mit Wankowicz fest:
1. Der Zweck der Patrouille war, Piedimonte vor den britischen Truppen zu erreichen und zu besetzen.
2. Ihm stand keine Funkverbindung zur Verfügung, weil der Funker sechs Minuten benötigte, um das Gerät in Betrieb zu nehmen und sie unter hohem Zeitdruck standen.
3. Von seinen 14 Mann musst er zwei zurückschicken, um zu berichten, dass Piedimonte nicht von Deutschen besetzt sei. Dadurch wurde seine Kampfkraft reduziert und als zwei weitere getötet und drei verwundet wurden, wurde seine Lage kritisch.
4. Er und ein weiterer Soldat deckten den Rückzug seiner Gruppe, so dass ihm weitere Ausfälle nicht bekannt wurden.
5. Er stellte fest: Wenn die gesamte Einheit nach Piedimonte vorgedrungen wäre, hätten sie verhindern können, dass die Deutschen 150 Mann zurückbrachten, welche die Stadt am nächsten Morgen wieder besetzten; sie hätten seine Gefangennahme nach seinem 30stündigem Kampf verhindern können und hätten den Alliierten die sofortige Kontrolle über die Stadt gegeben. Statt dessen wurde Piedimonte am 1944-05-25 genommen – sechs Tage später.

Nach drei Wochen für Erholung und Umgruppierung verfolgten die 3. und 5. Polnische Division ab 1944-06-17 den Rückzug der deutschen 278. Infanterie-Division (51. Korps). Die 3 D.S.K. bewegte sich entlang der Strasse Nr. 16, der Via Adriatica, und die 5 K.P.D. 10 bis 15 km parallel zu ihnen im Inland, auf schwierigem Gelände, das wenig verteidigt war. Ihr erstes Ziel war Ancona, der Haupthafen an der Adria, und sie durchbrachen dann die „Goten-Linie“, welche den Zugang zum Po und den Niederungen von Nord-Italien verteidigte.
Am 194-06-21 erreichten Teile der 3 D.S.K. den Fluss Chienti, der durch Frühjahrs-Regenfälle auf über 1,50 m Tiefe angeschwollen war. Alle Brücken waren zerstört worden und bei dem ersten Versuch, einen Brückenkopf auf der nördlichen Seite zu bilden, wurde die 4. Kompanie (3. Bataillon, 1. Brigade S.K.) zum Rückzug gezwungen unter Verlust von 4 Toten, 7 Verwundeten und 6 Vermissten.
Am nächsten Tag versuchten sie es mit Unterstützung eines leichten Brückenlegers wieder. Auf der anderen Seite verloren sie jedoch in den Wäldern und Weingärten ihre Beweglichkeit und Kommunikation. Der Kompanieführer, Hptm. T. Rudwanski wurde von seinen Nachschub-Einheiten abgeschnitten und der Angriff wurde für 5 Tage ausgesetzt. Nach vier Tagen im Niemandsland wurde er mit 34 Mann gefangen genommen. Die Verluste der 4. Kompanie waren sehr hoch: 26 Tote und 54 Gefangene. Nach dem Krieg wurde er in einem Verfahren beschuldigt, Befehle seiner Vorgesetzten nicht befolgt zu haben, dass fehlende Artillerie-Unterstützung und Verlust der Kommunikation die Gründe für seine Gefangennahme gewesen seien. Am 1947-12-09 sprach ihn ein Rehablilitierungs-Komitee der Verantwortung für die Verluste und Gefangennahme seiner Männer frei.

Nördlich vom Fluss Chienti dauerten die Kämpfe für das Polnische 2. Korps weitere neun Wochen an. Obwohl die Verluste ähnlich hoch wie bei Monte Cassino waren, gerieten nur wenige Soldaten in Gefangenschaft. Beim Kampf von Ancona am 1944-07-18 verlor die 3 D.S.K. keine Gefangenen.
Bei der Überquerung des Metauo Flusses verlor die Karpathische Division am 20. August 2 Gefangene. Die meisten Verluste erfuhr die 3 D.S.K. am 1. September, als 16 Soldaten bei Kämpfen östlich der Strasse Nr. 16 getötet wurden. Am nächsten Tag wurden alle Einheiten des Polnischen Korps von der Front bis zum 15. Oktober für Erholung und Umgruppierung zurückgezogen. Der Ruhm für den Durchbruch durch die „Goten-Linie“ fiel dadurch dem Canadischen Korps und der 5. US-Armee an der West-Küste zu!

Beide polnischen Divisionen wurden nun dem mittleren Teil der Mittelmeer-Front zugeteilt, um den Weg nach Forli und Imola zu öffnen, den wichtigsten Städten zwischen Bologna und der Via Emilia. Sie drangen in schwierigem Gelände bis zum Osten von Florenz vor und wurden von schlechten Wetter behindert (so ertranken am 26. Oktober vier Soldaten, als sie den kleinen Fluss Bidente bei Caminate überquerten). Jeder Berg und jeder Hügel wurden von den deutschen 26. und 305. Divisionen fanatisch verteidigt.
Zwischen dem 12. November und dem 17. Dezember führten die Kämpfe an der Via Emilia zur Eroberung von Faenza und der Einnahme von Forli durch die 5 K.P.D. An dieser Front ruhten die Kämpfe dann bis zum Frühjahr. Die gesamten Verluste der 3 DD.S.K. waren 6 Offiziere und 168 Mann getötet, 34 Offiziere und 726 Mann verwundet. (Die deutschen Verluste wurden in der Zeit vom 4. bis 16. Dezember mit 300 Toten und 230 Gefangenen angegeben.)

In der Zeit vor den Kämpfen um Bologna wurde das Polnische Korps durch zwei Infanterie-Brigaden verstärkt, die sich aus früheren Kriegsgefangenen der Deutschen rekrutierten. Die 3. Brigade wurde der 3 D.S.K. zugeteilt und die 4. Brigade der 5 K.P.D., beide nahmen an der letzten Frühlings-Offensive teil, nachdem sie ihre Stellungen am Fluss Senio bezogen hatten.
Die Schlacht um Bologna begann am 1945-04-09 mit einer schweren Bombardierung durch 700 amerikanische Flugzeuge. Unglücklicherweise bombardierte eine Gruppe von 22 Flugzeugen die Ausgangs-Stellungen des 2. und 5. Bataillons der 3 D.S.K. und tötete dabei 37 und verwundete 199 polnische Soldaten.
Schliesslich wurde Imola vom 7. Bataillon eingenommen und Einheiten der 3. Brigade standen ihrem alten Gegner von Monte Cassino gegenüber, der deutschen 1. Fallschirmjägerdivision. Obwohl den Deutschen befohlen worden war, „bis zum letzten Mann zu kämpfen“, wurden sie gezwungen, ihre Stellungen am Fluss Idice am 19./20. April aufzugeben, und damit Bologna dem vordringenden 9. Bataillon zu öffnen. Sie betraten Bologna am 1945-04-21 um 06.00 Uhr und wurden von den zivilen Behörden und der Bevölkerung begrüsst. Zwei Stunden später fuhren amerikanische Panzer vom Westen her in die Stadt ein und gratulierten den polnischen Truppen. In der folgenden Nacht wurde durch Befehl der 8. Armee das Polnische Korps zurückgezogen und nahm an weiteren Kämpfen nicht mehr teil. Acht Tage später wurde für die deutschen Truppen in Italien die Kapitulation unterzeichnet.“
©J. Kucharski

Wer weiss mehr?

Weiterführende Literatur:
Heber, Manfred G.: HANDBUCH der Lagerpost um 1945, Maspalomas, 1995
Heber, Manfred G.: KATALOG der Lagerpost um 1945, Elmshorn, 1986
in beiden auch Angaben zu weiterer Literatur