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Am 1909-04-30 wurde in Pawlowak, in der Nähe von St. Petersburg, von Hptm. Oleg I. Pantuckoff „Rezvedchiki“ gegründet, die russische Pfadfinder-Organisation. Lord Baden-Powell besuchte 1920 Russland und erinnerte sich später mit Sympathie an die russischen Scouts, die er in St. Petersburg getroffen hatte. Hptm. Pantuckoff machte eine Reise nach England, schrieb ein Buch für die Scouts und gründete ein Scout-Magazin. 1917 gab es 50.000 Scouts in Russland. 1920 emigrierte ein Teil von ihnen und setzte seine Tätigkeiten im Ausland fort.
Russische Scout-Marken wurden im Lager Mönchehof ausgegeben, zum Verkehr mit den Lagern Fürstenwald, Rothwesten, Zierenberg und Kassel.
Pfadfinder im polnischen Untergrund
Die Pfadfinderbewegung war bis zur Besetzung Polens 1939 die grösste Jugendbewegung des Landes, hoch respektiert und beliebt unter der Bevölkerung, anerkannt und unterstützt von Politik und Kirche. Aufgrund des Hitler-Stalin-Paktes im August 1939 wurde nun das Land aufgeteilt: Das Gebiet östlich der „Curzon-Line“ --hauptsächlich östlich des Flusses Bug-- kam unter sowjetische Herrschaft und wurde schliesslich der UdSSR einverleibt. Grosse Teile der Bevölkerung wurden nach Sibirien in die Arbeitslager verschleppt und die Jugend nach dem sowjetischen Vorbild zu „Jungen Pionieren“ umerzogen.
Die westlichen Gebiete mit Danzig und Schlesien wurden dem Deutschen Reich einverleibt, während der zentrale Teil mit der Hauptstadt Warschau zu einem „Generalgouvernement“ mit deutscher Oberhoheit und dessen Hauptstadt Krakau umgewandelt wurde. Auch hier wurde die Pfadfinder-Bewegung verboten und die Jugend zur „Hitlerjugend“ gedrängt. Teile der geschlagenen polnischen Armee gingen in den Untergrund, mit ihnen viele Pfadfinder, die oft auf Grund ihrer Führertätigkeit, sowohl in der Armee als auch innerhalb der Pfadfinder-Bewegung, von den Deutschen gesucht und verfolgt wurden. General Bor-Komorowski begann eine militärische Widerstandgruppe aufzubauen, die „AK“ (Armia Krajowa = Heimat-Armee), deren Ziel war, im geeigneten Augenblick eine organisierte Streitmacht zur Verfügung zu haben, um in ganz Polen einen Aufstand zu starten. Die „Grauen Reihen“, die Pfadfinder, waren ein Teil dieser Untergrundarmee; an ihrer Spitze stand Florian Marciniak (1915 - 1943). Zwei ihrer Gruppen wurden später berühmt: „Zoska“ (Sophie) war speziell für Sabotage-Massnahmen vorgesehen, „Parasol“ (Schirm) wurde auf Einzelpersonen angesetzt. Die Buchstaben „P“ und „W“ (Polska Walczaca = Polen kämpft), die zu einem stilisierten Anker zusammengezogen wurden, waren ihr Zeichen, das überall angebracht wurde. Eine der drei Säulen der polnischen Exil-Regierung in London bei dem Widerstand gegen das Nazi-Deutschland war die „AK“. Die anderen beiden Säulen waren die Truppen, die innerhalb der britischen Armee (meist auf Schiffen oder in Flugzeugen) kämpften; und die sogen. „Anders-Armee“, die von Russland kommend, über Persien und die Türkei zur alliierten Invasionsarmee stiess, um in Italien die südliche Front zu verstärken. „Burza“ (Gewittersturm) war das Codewort für den nun schon lange geplanten Aufstand, der gleichzeitig in allen Städten Polens ausbrechen sollte. Im Sommer 1944 schien es soweit zu sein, und am 1944-08-01-17.00 sollte die Stunde „W“ schlagen. Allerdings ging es nicht in ganz Polen, sondern nur in Warschau los!
Die Deutschen waren gewarnt und vorbereitet, so dass es den etwa 15.000 AK-Kämpfern zwar gelang, grosse Teile der Stadt unter Kontrolle zu bringen, jedoch keine wirklich strategischen Punkte, keine der 5 Weichsel-Brücken. Die Enttäuschung war gross und so verliessen in der ersten Nacht etwa die Hälfte der Kämpfer die Stadt. In der ersten Phase fielen etwa 5.000 Deutsche und über 2.000 Polen.
Im Gegensatz zu den Kämpfern war die Bevölkerung Warschaus nicht vorbereitet und wurde von dem Ausbruch des Aufstandes überrascht. Sie war wie immer ihrer Arbeit und täglichen Beschäftigung nachgegangen oder auf Besuch bei Freunden und Bekannten, verstreut in allen Stadtteilen, ohne Möglichkeit, mit ihren Angehörigen Verbindung aufzunehmen, denn auch die Telefonleitungen waren unterbrochen worden. Die Not war gross! Die „Aleje Jerozolimskie“ (Jerusalem Boulevard), die zur Weichsel führte, teilte die Innenstadt in einen Nord- und einen Südteil. Diese Strasse wurde von den Deutschen beherrscht und unterbrach jegliche Verbindung zwischen diesen Stadtteilen. Erst am 29. August konnte die Exilregierung in London die Anerkennung der AK-Truppen als Kombattanten im Sinne der Genfer Konvention erreichen, bis dahin galten sie (für die Deutschen) nicht als Soldaten, sondern als Partisanen, die wie Banditen behandelt wurden.
Am 9. September begannen Kapitulationsverhandlungen und am 1944-10-02-20.00 wurde die Kapitulation unterzeichnet.
Am 4. Oktober gingen über 50.000 gefangene Männer, Frauen und Jugendliche in Gefangenschaft, viele von ihnen landeten in den KL (Konzentrationslagern).
Auf Grund eines Führerbefehls wurde zur Strafe die „vollständige Zerstörung Warschaus“ angeordnet. Von der einst so stolzen Hauptstadt Polens blieb nur ein ungeheurer Trümmerhaufen. Erst am 1945-01-17 „befreite“ die Rote Armee diesen Trümmerhaufen! Stalin hatte seine Ziele erreicht: Auf der Yalta-Konferenz gaben der amerikanische Präsident Roosevelt und der britische Premierminister Churchill ihre Zustimmung dazu, dass das „Lubliner Komitee“ Stalins die alleinige Vertretung Polens sei. Am 1945-07-05 wurde es offiziell anerkannt, bei gleichzeitiger Aberkennung der Vertretungsrechte der Londoner Exilregierung. Ohne irgend jemand der Betroffenen zu befragen, beschlossen die 3 Alliierten, dass der 1939 von Russland besetzte Teil Ostpolens für immer bei Russland verbleiben solle, während Polen dafür mit den deutschen Gebieten östlich der Oder-Neisse-Linie entschädigt werden würde, bei gleichzeitiger Vertreibung der deutschen Bevölkerung: die sogen. Ost-West-Verschiebung.
© Gottfried Steinmann Wer weiss mehr?
Weiterführende Literatur:
- Heber, Manfred G.: HANDBUCH der Lagerpost um 1945, Maspalomas, 1995
- Heber, Manfred G.: KATALOG der Lagerpost um 1945, Elmshorn, 1986
in beiden auch Angaben zu weiterer Literatur
- Steinmann, Gottfried: Pfadfinder im polnischen Untergrund 1939 - 1945
- Bor-Komorowski, Tadeusz: The Secret Army. Nashville , USA , 1984
- Gryzewski, Tadeusz: The Scout Field Post in the Warsaw Uprising of 1944
- Piekalkiewicz, Janusz: Kampf um Warschau
- Scoutpost Nr. 36/11: Pfadfinder im Untergrund
- Holland , George V.: Checklist of russian scout-stamps, in: ...... S. 254, f.
- ARGE Pfadfinder: Günter Hohenstein, Dahlkeweg 12, D - 59227 Ahlen, Tel & Fax +49-23 82- 18 92. e-mail: Guenter.Hohenstein@epost.de
ARGE: e-mail: info@arge-pfadfinder.org
Homepage: www.arge-pfadfinder.org
Geheimpost im besetzten Warschau |