Post der DPs

Ettlingen


Dauer des Lagers: Ende April 1945 bis 1947-03-20 (1946-09-02 nach Perzynski)

Lokalisierung: Deutschland, ABZ, Ettlingen, 10 km südlich von Karlsruhe,
Ettlingen wurde am 1945-04-05 von den Franzosen besetzt, Ende Juni 1945 an die Amerikaner übergeben.
Die neue Grenze zwischen der ABZ und FBZ lag bei Neu-Malsch – Bitigheim, km westlich von Ettlingen und wurde von französischen Truppen schwer bewacht. Daher war auch den polnischen Bewohnern des Lagers Ettlingen der Besuch des DP-Lagers in Rastatt fast unmöglich.

Grösse des Lagers: Rheinlandkaserne (Wehrmachtskaserne: Unteroffiziersschule)

Anzahl der Bewohner: 500 Polen (ca. 10.000 nach Perzynscki)

Nationalität:Polen

Dauer der Lagerpost: Ende Februar 1946 bis 1947-03-20
Der Leiter des polnischen Lagers erhielt am 1946-03-15 vom Direktor des UNRRA-Teams 94, Mr. Ettinger, die Erlaubnis, Postwertzeichen für den Bedarf des Lagers auszugeben.

Anzahl der Ausgaben:
1. Ausgabe: 1946-03-20
weisser polnischer Adler in rotem Schild
4 Werte gedruckt von der Druckerei „Prägedruck“ in Karlsruhe auf weissem, ungummierten Papier in Bogen zu 12 (2 x 6) Marken, gez. L 11.
die verschiedenen Quellen geben 1.000, oder 10.000 oder 12.000 Stück an.
Da die erste Auflage nach drei Monaten restlos verkauft war, wurde eine 2. Ausgabe notwendig.

2. Ausgabe: 1946-07-20 bis 1947-03-20
4 Werte in anderen Farben, gez. 1.300, ungez. 40 Sätze.
Bei der Auflösung des Lagers war auch die 2. Auflage restlos verkauft worden.

Es heisst, dass am 1946-09-02 die Matrizen vernichtet worden seien; es ist aber anzunehmen, dass sie bei dem Transport am 1947-03-20 von Karlsruhe - CSSR - in das Sammellager Kattowitz mitgenommen worden sind.
Die Marken wurden auf Sendungen innerhalb des Lagers und vor allem in die Nachbarlager Pforzheim und Knittlingen verwendet. Sie erhielten dann zusätzlich den Stempel Nr. 4 und wurden etwa monatlich mit dem eigenen UNRRA-Fahrzeug befördert. (Entgegen Perzynski fand nach Rastatt keine Postbeförderung statt, da Rastatt in der französischen Besatzungszone lag.)
Briefe mit Marken des Lagers und der deutschen Post wurden von dieser ohne weiteren Vermerk an die UNRRA-Verwaltung zurückgegeben.

Es wurden drei Stempel verwendet:
1. Einzeiler vom 1946-03-20 bis 1946-04-01 „Ettlingen/Baden 1.April 1946“
2. Gummi-Zweikreisstempel mit Steg und Gitter-Segment oben und unten,  34,5 mm, oben „POCZTA.POLSKA“, unten „ETTLINGEN“. In den Steg wurde das Datum mit einem Stempel eingesetzt. 1946-04-01 bis 1946-04-19.
3. Weil der Landesname fehlte, wurde ein neuer Gummi-Stempel angefertigt, Zweikreisstempel mit Steg, mit Segmenten oben und unten, kreisförmig, senkrechter  35,0 mm, waagerechter  33,5 mm. Oben „POCZTA -POLSKA“, unten „ETTLINGEN (BADEN)“. In den Steg wurde das Datum mit einem Stempel eingesetzt, z.B. „27. Juli 1946“. 1946-04-01 bis 1946-09-02.

Nach Laszkiewicz sei von einem amerikanischen Gericht in Heidelberg der Einspruch der Deutschen Post abgewiesen worden, dass das „D.P.“ auf den Marken auch als „Deutsche Post“ verstanden werden könne.

„Gleich nach dem Erscheinen der Ettlinger Ausgabe Ende März 1946 wurden verschiedene Versuche unternommen: zuerst wurden mit diesen Briefmarken frankierte Briefe an Adressen innerhalb Deutschland versandt – sie wurden von der Deutschen Post ohne jeden amtlichen Vermerk zur Lagerverwaltung zurückgebracht, weil diese Briefmarken zur Frankatur nicht zugelassen worden waren. Beim nächsten Versuch wurden die Briefmarken in der linken oberen Ecke des Briefes aufgeklebt und mit dem Lagerstempel abgestempelt; wenn er dann noch normal mit gültigen deutschen Briefmarken frankiert war, wurde er zeitweise durch die Deutsche Post befördert. Es gibt jedoch keinen Brief, der nur mit DP-Lagerbriefmarken frankiert und durch die Deutsche Post befördert worden ist. Wenn z.B. ein Brief in der Form eines Viererblocks mit drei gültigen deutschen Briefmarken und einer Lager-Briefmarke frankiert war, dann wurden mit äusserster Sorgfalt nur die 3 deutschen Briefmarken durch die Deutsche Post so entwertet, dass die Lager-Briefmarke nicht berührt wurde.
Nach der Auflösung der Lagers mit einem der letzten UNRRA-Transporte im März 1947 (!!) sind einige Mitglieder des damaligen polnischen Lager-Komitees nach Brasilien, Argentinien, Canada und USA ausgewandert.“
©Miczek

Wer weiss mehr?

Weiterführende Literatur:
Heber, Manfred G.: HANDBUCH der Lagerpost um 1945, Maspalomas, 1995
Heber, Manfred G.: KATALOG der Lagerpost um 1945, Elmshorn, 1986
in beiden auch Angaben zu weiterer Literatur
Perzynski, H.M.: Post zwischen den Lagern in Deutschland 1946 - Ettlingen. in: filatelista 1963 Heft 5
Miczek, Oskar: Lagerpost D. P. Lager Ettlingen 1946, in: ARGE Polen, MB 38/39:49 ff