| Dauer des Lagers :
Aufstellung 1940-06-01 Zunächst mit französischen Kgf. belegt, die am 1942-02-15 nach Arnswalde verlegt wurden.
Belegt mit poln. Kgf. in der 2. Hälfte 1943. Lokalisierung:
(polnisch: Jastrowie) ca. 120 km nördlich von Posen (polnisch: Poznan)
ab Februar 1941 folgende Ortsangaben:
- Gross-Born
- Gross-Born, Lager Westfalenhof
- Gross-Born - Rederitz
- Rederitz
Grösse des Lagers:
auf dem Hundsberg, etwa 50 ha gross Anzahl der Gefangenen:
(nach Vogt max. 5.400) ca. 3.000 Berufs- und Reserveoffiziere, dazu einige hundert Soldaten für Hilfsdienste.)
1.200 Mann wurden in das Oflag 83 (umbenannt aus dem Stalag 329 im Wehrkreis-Kommando X gelegen = Wietzendorf/Kreis Soltau) verbracht und wurden am 1945-04-22- 09.00 frei.
Am 1945-01-29 um 08.00 Abmarsch von 1.200 Mann; am 1945-02-29 Abmarsch vom Rest bis auf 50 meist Kranke. Der Marsch ging in Richtung Westen nach Sandbostel in der Lüneburger Heide, von dort über Buxtehude nach Lübeck.
Am 1942-03-16 wurden 1.200 Mann mit der Bahn von Salzwedel nach Soest gebracht. Nationalität :
Polen Dauer der Lagerpost:
1943-12-11 bis 1945-01-28 Anzahl der Ausgaben:
45 Briefmarken, 8 Blöcke, 1 Portomarke,
1 Aufkleber, 18 Postkarten, div. Proben und Entwürfe.
Für die Sieger bei den im Lager veranstalteten „Olympischen Spiele“ wurden „Medaillen“ in Papier geprägt; für die Sieger der Wettbewerbe wurden 12 Urkunden gefertigt mit Ausschnitten aus Makulatur der Blöcke oder einzeln aufgeklebt + Sonderstempel + Tagesstempel.
Es wurden auch Geldscheine zu 10 Groszy und 1 Piast gedruckt, für die neue Lagerwährung, die am 1944-11-01 eingeführt wurde.
Auch wurde im Lager am 1944-10-18 ein „kleiner Katalog“ der Briefmarken vom Postvorstand ausgegeben. Der „grosse Katalog“ der Briefmarken wurde in 4 Auflagen zu je 25 Exemplaren vom Philatelistenclub ausgegeben. Weiterführende Literatur:
Heber, Manfred G.: HANDBUCH der Lagerpost um 1945, Maspalomas, 1995
Heber, Manfred G.: KATALOG der Lagerpost um 1945, Elmshorn, 1986
in beiden auch Angaben zu weiterer Literatur
Die Bank des OFLAG II D –
Gross-Born
von Tomasz Sluszkiewicz, IBNS
# 3946
in: http://www.atsnotes.com/articles
2005-11
In Gross-Born in Pommern
(heute Wielkie Bory in der Nähe von Jawstrowo, Polen) war von 1943
bis 1945 das Kriegsgefangenenlager für polnische Offiziere OFLAG
II D. In Neubrandenburg (Mecklenburg) war das OFLAG II E, bis es
mit dem Lager II D zusammengelegt wurde. Im damaligen
Sprachgebrauch war II D das „Oberlager“, während II E das
„Unterlager“ war.
In dem Lager teilten sich die
Offiziere in „Bataillone“ und „Kompanien“ ein, deren
Bezeichnungen sie meist von ihren alten Abteilungen übernahmen.
Der Vertreter der
Kriegsgefangenen des Lagers war jeweils der von ihnen gewählte „Lagerälteste“;
nicht unbedingt der ranghöchste Offizier.
Er hatte für Ruhe und Ordnung im Lager zu sorgen und genehmigte
die Einrichtung von sozialen, sportlichen,
geisteswissenschaftlichen und gemeinnützigen „Organisationen“,
wie z.B. die Einrichtung einer Lagerpost, des Theaters, einer
Druckerei usw. Sein
Ansprechpartner auf der deutschen Seite war der deutsche
Lagerkommandant.
Nach der Genfer Konvention von
1929, der Deutschland nicht beigetreten war, aber doch weitgehend
befolgte, war an die Gefangenen ein Sold zu zahlen, in der Höhe
des gleichen Ranges wie ein Offizier des Gewahrsamstaates. So
erhielt ein deutscher Hauptmann 1935 etwa RM 536,30, zu denen
dann noch RM 96,00 Wehrsold und RM 30,00 Frontzulage kamen.
Damit die Gefangenen bei Ausbrüchen keine gültige Währung bei sich
führen konnten, erhielten sie Gutscheine des
„Kriegsgefangenen-Lagergeldes“, das in den Kantinen akzeptiert
wurde. Mit diesem Geld mussten sie sich dann ernähren und kleiden.
Auf Wunsch wurde auch ein Teil
des Soldes von der deutschen Verwaltung einbehalten und mit der
deutschen Reichspost an die begünstigte Ehefrau gesandt, wo der
Betrag dann zum Kurs von 1 Reichsmark =
2 Zloty ausgezahlt wurde.
In Gross-Born wurde im Oktober
1944 die Auszahlung an die Gefangenen eingestellt und der Betrag
ihrem „Konto“ gutgeschrieben. Da das gesamte Lagerleben auf den
Umlauf einer Währung abgestellt war, schufen sich die Gefangenen
eine eigene Währung: Sie gründeten die „Bank des Lagers II D“ und
gaben eigene Banknoten heraus. Die Deckung dieser neuen Währung
„1 Piast zu 100 Groschen“ („Piast“ nach dem Namen der Dynastie des
ersten polnischen Königs. Zwar gab es schon im Freien Polen 1919
den Vorschlag für eine derartige Bezeichnung, aber nach der
Währungsreform von Grabski setzte sich 1924 der Name „Zloty“
durch; so dass die Bezeichnung Piast bislang nicht verwendet
worden war.) bestand aus britischen oder amerikanischen Zigaretten
(aus Geschenksendungen), die im Büro der Lagerbank aufbewahrt
wurden. Eine Stange für jeweils 10 Piast. Banknoten im Wert von
10 und 50 Groszy und 1 Piast wurden gedruckt (einige Quellen
nennen auch solche für 5 und 10 Piast), mit dem „16. Oktober 1944“
als Ausgabedatum, die am 1944-11-01 in Umlauf gegeben wurden.

s. dazu folgende Aufstellung
Was für ein Aufruhr, als man
bei einer Kontrolle feststellen musste, dass Unbekannte den Inhalt
von Stangen gegen „minderwertige russische oder andere“ Zigaretten
ausgewechselt hatten. Um ein Haar wäre die gesamte Währung
zusammengebrochen.
Die Bank des Lagers II D
emittierte nicht nur Banknoten, sondern bot auch andere
Finanz-Dienste an: Die Kriegsgefangenen hatten die Möglichkeit,
bei ihr eigene Bankkonten zu unterhalten und es gab dafür sogar
Schecks, die auf Piast lauteten.
Weil die neue Währung eine
legale Einrichtung im OFLAG II D war, stellten alle Institutionen
ihre Buchführung und die Konten auf die neue polnische Währung „Piast“
um. Auch die von der Lagerpost ausgegebenen Briefmarken und
Postkarten lauteten nun auf „Piast“ und nicht mehr auf
„Reichsmark“.
Die Lagerdruckerei druckte die
Banknoten. Die Technik war die gleiche wie bei dem Druck der
Briefmarken der Lagerpost. Der Druckstock wurde in Birnenholz
geschnitten. Der Druck selber wurde mit einer primitiven
Drucker-Presse vorgenommen: In einer Tischplatte war eine
Vertiefung für den Druckstock angebracht worden. Die Druckfarbe
wurde mit einer Rolle aus Stoff auf den Druckstock aufgebracht.
Dann wurde das Papier darauf gelegt und mit einer Rolle aus Gummi
angedrückt. Das Papier und die Druckfarbe waren eine Spende des
YMCA aus Stockholm.
Das Kriegsgefangenenlager
OFLAG II D wurde am 1945-01-28
aufgelöst und die
marschfähigen Insassen in Richtung Westen in Marsch gesetzt. Sie
zogen über die Mecklenburgische
Seenplatte in Richtung Westen, dann
Südwesten, querten die Elbe bei Lauenburg und kamen schliesslich
im STALAG X A
in Sandbostel
(nordwestlich der Lüneburger Heide) an. (Ziemlich zeitgleich traf
dort auch ein Teil ihrer Schicksalsgenossen
aus dem OFLAG II C – Woldenberg ein, die parallel zu ihnen
marschiert waren, auf dem sogenannten
„Todesmarsch“, dessen Namen dem Gehirn eines Böswilligen
entsprungen ist und weder den Umständen noch sonst irgend etwas
gerecht ist.)
Weil das Lager Sandbostel völlig überfüllt war, zogen sie dann
nördlich, querten bei Buxtehude die Elbe und zogen dann quer
durch Schleswig-Holstein in Richtung Lübeck. Sie bemalten weisse
Betttücher mit grossen roten Kreuzen, was aber nicht verhindern
konnten, dass sie trotzdem von alliierten Tieffliegern
beschossen wurden, was div. Tote und Verwundete unter ihnen zur
Folge hatte.
Sie erreichten dann unter
Zwischenstationen in Fischbe(c)k, Pöhls und Stübben (alle im
Bereich der kleinen Städte Bad Segeberg und Bad Oldesloe gelegen)
das OFLAG X C in Lübeck, das vorher mit belgischen
Kriegsgefangenen belegt war. Dort wurden sie dann am (s. Heber)
von britischen Truppen befreit.
Lübeck war dass das
„Haupt-Postamt“ für die „Post zwischen den Lagern“, über das die
Postverteilung in der britischen Besatzungszone unter Schutz der
britischen Besatzungstruppen und unter Aufsicht und mit LKWs der
UNRRA (Vorläufer der IRO – Vorläufer des IRK) stattfand.
s. den entspr. Beitrag in dem newsletter der damaligen
study-group, bzw. Heber, Manfred G.:
HANDBUCH der Lagerpost um 1945, Maspalomas, 1995)
*
Löhne und Sold
Brutto-Monatslohn eines
Industriearbeiters in Deutschland 1939: RM 112,31.
Brutto-Monatslohn eines
Angestellten in Deutschland 1939: RM 231,00.
Der Sold im Schnitt, im Monat,
1935, änderte sich bis Kriegsende kaum:
Sold Wehrsold
Frontzulage gesamt
Schütze RM 112,57 RM 15,00 RM
30,00 RM 112,57
Gefreiter RM 131,47 RM 22,50
RM 30,00 RM 183,97
Unteroffizier RM 183,77 RM
42,00 RM 30,00 RM 255,77
Feldwebel RM 231,40 RM 54,00
RM 30,00 RM 315,40
Leutnant (Lt) RM 418,29 RM
72,00 RM 30,00 RM 510,29
Oberleutnant (Olt) RM RM RM RM
Hauptmann (Hptm) RM 536,30 RM
96,00 RM 30,00 RM 662,30
Major (Mjr) RM 643,20 RM
108,00 RM 30,00 RM 781,20
Oberstleutnant (OTL)RM 710,60 -- RM 30,00 RM 740,60
Oberst RM 955,42 -- RM 30,00
RM 985,42
Gen.Maj. RM 1158,13 -- RM
30,00 RM 1188,13
Gen.Lt. RM 1378,72 -- RM 30,00
RM 1408,72
General (Gen.) RM 1702,36 --
RM 30,00 RM 1732,36
Zeit- und
Berufssoldaten erhielten Bezüge nach der sogen.
Reichsbesoldungsordnung C; hier gab es wieder verschiedene
Ortsklassen, z.B. wurde in Berlin aufgrund der höheren
Lebenshaltungskosten ein höheres Gehalt gezahlt, als in einer
Kleinstadt im tiefsten Niederbayern. Am häufigsten wurde die
Ortsklasse A angewendet, die hier dargestellt wird.
Die Wehrpflichtigen erhielten
natürlich freie Verpflegung, Unterkunft, Freifahrten mit der
Reichsbahn usw.
Der Sold schwankt stark:
abhängig vom Lebensalter:
unter/über 45 Jahre;
Lt. bis
Maj. nochmals stark gestuft, weil aufgrund der
Laufbahnstruktur sehr viele Offiziere in diesen Dienstgraden
verharrten, bzw. beim Major hängenblieben.
Dazu kommen
natürlich in Einzelfällen noch Zulagen, z.B. für den
Hauptfeldwebel als Kompaniefeldwebel, für fliegendes Personal usw.
* |