Kriegsgefangene I. Weltkrieg
Plassenburg

Dauer des Lagers:
1914 - 1918

Lokalisierung:
Deutschland, überragt Kulmbach (nordwestlich Bayreuth)
Die Plassenburg war von 1817 -1909 bayerisches Zuchthaus. Dann stand sie bis 1914 leer. Im August 1914 diente sie für kurze Zeit zur Unterbringung für polnisch-russische Kurgäste aus Bad Kissingen. Dann wurde auf der Plassenburg ein Offiziersgefangenenlager eingerichtet. 1919 wurde die Plassenburg wieder in ein Zuchthaus verwandelt, das dann am 1928-03-31 aufgelassen wurde.

Grösse des Lagers:
Räumlichkeiten in der Plassenburg; zwei Innenhöfe.

Anzahl der Gefangenen:
600, je zur Hälfte französische und russische Offiziere.
Besonders die französischen Offiziere waren sehr erfindungsreich auf dem Gebiet der Ausbrüche und dem Hinein- und Heraus-Schmuggeln verbotener Dinge. Deshalb wurden ihre Sendungen sehr genau kontrolliert.

Anzahl der Ausgaben:
eine

Der Entwurf stammt wohl von einem französischen Offizier, die Marken wurden anscheinend im Tiefdruck-Verfahren mit eine Kupferplatte angefertigt. Ein Probedruck auf gelblichen, kartonstarken Papier ist bekannt.
Querrechteck 23 x 25 mm, Farbe: schwarz, Papier dunkelblau; Alle 16 damit aufgefundenen Briefe wurden vom Lagerkommandanten beschlagnahmt. Sie waren „postgerecht gestempelt“, mit einem in Holz geschnittenen Zweikreisstempel „PLASSENBURG“, in den handschriftlich das Datum eingesetzt wurde.
Die Zahl in der rechten oberen Ecke wurde jeweils von Hand eingezeichnet und hatte wohl eine zählende Bedeutung. Die höchste Ziffer war „25“, so dass angenommen wurde, dass bereits eine beträchtliche Zahl derartiger Briefe nach Frankreich durchgeschmuggelt worden war.
Das Markenbild stellt den Lagerkommandanten auf einem Hügel stehend dar (Offizier mit Pickelhaube). Er streckt die Hand nach einem fortfliegenden geflügelten Brief aus. Am Boden vor ihm liegt eine zerbrochene Zensurschere. Das Markenbild ist umrahmt: oben: „PLASSENBURG“, unten: „POSTES FRANÇAISES.“, links: „OFFICIERS“, rechts: „FRANÇAIS“, links oben ist ein rotes Kreuz im Kasten, rechts oben die Zahl.

Michel berichtet zwar von „wenige Exemplare * und auf Brief bekannt“, jedoch ist das einzig bekannte * Stück der Probedruck, welcher in der Nähschatulle im Koffer eines französischen Majors gefunden wurde, der in die Schweiz ausreisen sollte.

Wer weiss mehr?

Weiterführende Literatur:
Heymann, Karl: Paket= und Gepäckkontrolle beim k. b. Offiziers= Kriegsgefangenen=Lager 1914-18. Eine humoristische Lagerbriefmarke. in: Nachrichten des Vereins „Freunde der Plassenburg“, Dezember 1939, S. 26 ff
Frz. P.: Die Briefmarke des Gefangenenlagers Plassenburg, in: Sammler-Post, München 1930:1: 1f