Internierten Post

Polen in Indien


Dauer des Lagers:

  • Balachadi-Jamnagar: 1942-08 bis 1946-11.
  • Karachi 1942-04-09 bis 1945-10-02
  • Malir
  • Valivade 1943-06 bis 1945-02

Lokalisierung:
Indien

Grösse des Lagers:

Anzahl der Bewohner:

  • Balachadi-Jamnagar: 800
  • Valivade: 4.000

Nationalität:
polnisch

Polnische DP-Lager in Indien
Die meisten der polnischen Zivilisten, die nach dem Ausbruch des II. Weltkrieges nach Russland deportiert worden waren, wurden durch die Sikorski-Stalin-Vereinbarung vom 1941-07-30 befreit, die nach dem deutschen Einmarsch nach Russland abgeschlossen wurde. Die logischste Route führte aus Russland nach Süden und die Evakuierung wurde von dem Kaspischen Meer, von Krasnowodsk in Russland nach Pahleve im Iran vorgenommen. Die Männer wurden in die Armee eingezogen und in Richtung Irak und Palästina in Marsch gesetzt, viele Jugendliche wurden nach Palästina zur Ausbildung geschickt oder zerstreuten sich nach Ostafrika, Indien, Mexiko und Neu-Seeland. Frauen, Kinder und alte Menschen wurden in die Gruppen eingeteilt, die nach Indien gesandt wurden.

Dort, durch die Anstrengungen des polnischen Generalkonsuls in Bombay, Dr. E. Banasinski, der auch der Vertreter des polnischen Roten Kreuz war, stimmte die indische Regierung der Einwanderung von 10.000 Polen zu, die --unter ihnen viele tausend Kinder-- in Pahlevi auf ihre Evakuierung warteten. In Delhi wurde ein Komitee gebildet, das die Situation überblicken sollte. Die Gruppe bestand aus dem Präsidenten des Oberhauses des indischen Parlaments, dem Vize-Minister des Inneren, dem Maharadscha von Nawangar, dem Bischof von Delhi, einer Anzahl von Philanthropen und Vertretern der Bürgerschaft und natürlich aus Herrn und Frau Banasinski.

Der Maharadscha bot die Übernahme von 10.000 Kindern in eine eigene Siedlung in Balachadi an, 30 km von Jamnagar entfernt, am Golf von Kutch. Jamnagar war die Hauptstadt seines Fürstentums Gujarat. Das Interesse des Maharadschahs am polnischen Flüchtlingsproblem rührte von seiner und seines Vaters Bewunderung und Bekanntschaft des polnischen Komponisten, Pianisten und Staatsmannes Jan Paderewski her.

Das Projekt, die polnischen Kinder nach Indien zu bringen, wurde vom polnischen Roten Kreuz durchgeführt; finanziert vom britischen und indischen roten Kreuz. Die Kinder wurden mit privaten Wohnwagen durch Afghanistan und Pakistan gebracht. Die ersten kamen im April 1942 an. Sie wurden zeitweise in Badra, ausserhalb von Bombay, in den Häusern wohlhabender Personen untergebracht.

Gegen Ende August 1942 wurden alle Kinder von Bandra nach der neuen Siedlung Balachandi - Jamnagar gebracht. Das Lager wurde von Vater Francis Pluta geleitet. Es war auf einem Hügel errichtet, nur 20 Minuten vom Indischen Ozean entfernt, und sehr nahe zu Balachandi, der Sommerresidenz des Maharadschahs. Das Gebiet zwischen dem Palast und der Siedlung war teilweise sandig und teilweise sumpfig. Diese Sümpfe waren eine Brutstätte für Malaria und innerhalb des ersten Jahres hatten 87% der Siedlung Kontakt mit dieser Krankheit. Über 1.000 Kinder und eine Anzahl Erwachsener gingen durch dieses Lager, aber es waren nie mehr als 800 zur gleichen Zeit und die kleinste Zahl war 546.

Das Lager bestand aus 20 Baracken, die aus Stein erbaut waren, aber sehr schmutzige Böden hatten. Jede Baracke hatte 50 Betten für die Kinder. Zwischen den Baracken waren 10 Badehäuser mit fliessendem Wasser, die mittels einer Windmühle aus einem artesischen Brunnen versorgt wurden. Ein eigenes Gebäude nahm das Hospital auf, die Klinik und die Apotheke. Eine grosse Küche mit zwei anstossenden Speisesälen konnte alle zur gleichen Zeit versorgen. Diese Küche wurde von Eingeborenen versorgt, die ausserhalb des Lagers lebten. Andere Gebäude enthielten die Kapelle, die Vorschule und die Grundschule, Berufsschule, einen Jugendclub, eine Halle der Pfadfinder und ein Warenhaus. Jungen und Mädchen nahmen an der Pfadfinder-Bewegung teil, die in all den polnischen Flüchtlings-Lagern ein sehr wichtiger Teil des Lager-Lebens war.

Oberschul-Klassen und Klassen für Erwachsene wurden in Gebäuden eingerichtet, die früher Gäste des Palastes beherbergt hatten und von Zäunen und einer Mauer umgeben wurden.

Eine kleine Zahl Erwachsener, vor allem Frauen, waren als Lehrer, Aufsichtspersonal und Krankenpfleger tätig. Sie lebten in separaten Quartieren, die über das Lager verteilt waren. Diese Quartiere bestanden aus einem kleinen Raum mit Bad. Daher gab es tatsächlich einen Mangel an erfahrenen und ausgebildetem Personal.

Mit so wenig Erwachsenen und alles Flüchtlingen, gab es nur wenig Post in und aus dem Lager. Alle postalischen Aktivitäten liefen durch das Postamt von Jamnagar, das nur einige Kilometer vom Lager entfernt war.

 

Kurz nach der Errichtung des Lagers von Balachadi wurde am 1942-09-04 ein Lager in der Nähe von Karachi eingerichtet, das als „Der Land Club“ bekannt war. Es war ein typisches Lager, das aus einer Vielzahl von grossen Zelten bestand, in denen jeweils eine oder zwei Familien wohnten. Diese Zelte waren in langen Reihen angeordnet und beherbergten auch ein Hospital, Klassenräume, Läden, Scout-Quartiere und einen Gemeinschaftssaal. In einem hölzernen Gebäude war eine Kapelle, die nur einen Altar und die Sakristei enthielt.

Der Lagerleiter war ein Engländer, ein Major Allen, sein Assistent war Stanislaw Dziadowicz. Das Lager war eine Zwischenstation für über 20.000 Flüchtlinge, die aus dem Iran kamen. Die Länge ihres Aufenthaltes war unterschiedlich, aber nachdem das Lager ein vier Tage langes Treffen für indische und englische Scouts abgehalten hatte, gab es einen gewissen Zusammenhang.

Im Augenblick ist nicht viel mehr bekannt. Wir wissen weder etwas über die postalische Aktivität, ob sie vom Lager aus oder über Karachi ging. Ich habe niemals einen Brief aus diesem Lager gesehen.

Die meisten Flüchtlinge, die dieses Lager passierten, gingen nach Ostafrika und einige nach Mexiko. Das Lager wurde geschlossen, als die letzten Flüchtlinge am 1945-10-02 nach Valivalde gebracht wurden.

  • Malir

Dies war ein kleines Lager in der Nähe von Karachi, das den Überschuss dieses Lagers aufnahm. Die Tatsache, dass es existierte, ist das Einzige, was wir über dieses Lager wissen.

  • Valivalde

Im Huni 1943 wurde 290 km südlich von Bombay und 7 km von der Stadt Kolhapur in der Provinz Kolhapur das grosse polnische Flüchtlingslager Valivade eingerichtet. Die ersten Bewohner waren die Flüchtlinge von Malir und sie kam am 1943-07-16 an und belegten die noch nicht fertigen Gebäude des Lagers.

Das Lager unterschied sich von den anderen indischen Lagern durch seine Grösse, seine Erscheinung und seinen Geist. Das Lager war die polnische „Hauptstadt“ von Indien. In ihm wohnten ständig über 4.000 Menschen.

Valivade lag am Panchaga-Fluss in der Nähe der Kolhapur-Miraj Eisenbahnlinie und bestand aus Dutzenden von unterteilten Baracken. Jede Baracke war in 5 oder 6 Wohnbereiche von je zwei Räumen und einer Küche unterteilt. Die Wände waren Matten aus Zuckerrohr, die Böden aus Erde und das Dach, das auch die Decke war, hatte Dachziegel. Die Räume enthielten das Notwendigste an Möbeln und Wäsche. Trotzdem muss das Lager als luxuriös bezeichnet werden, wenn man es mit denen vergleicht, die die Flüchtlinge kennengelernt hatten, nachdem sie Ende 1939 Polen verlassen hatten.

Der sogenannte „untere Teil“ des Lagers bestand aus Verwaltungsgebäuden, Läden, einem Restaurant, Quartier für die indische Polizei, einem grossen Kinosaal, der Gemeinschaftswerkstatt und einer Kirche.

In der Mitte des Lagers, in der Nähe des Haupteinganges, war eine Kapelle, das Hospital und die Badehäuser. Eine polnische Zuckerfabrik war direkt hinter den Toren des Lagers.

Die Begeisterung des Lagers war so gross, dass nach einer kurzen Zeitspanne der „nackte“ Hügel, auf dem das Lager stand, in einen ansehnlichen Farben-Garten verwandelt wurde. Blumen wurden gepflanzt und wuchsen überall - um die Baracken, Kirche und Verwaltungsgebäude, und bald wuchs Gras auf den offenen Feldern. Ebenso gab es Obstbäume, auf denen Papaya, Agaven und Zitrusfrüchte wuchsen. Ausserhalb des Lagers waren Felder mit Zuckerrohr, das die Zuckerfabrik versorgte und Material für die „Wände“ im Lager lieferte.

Das Lager versorgte sich selbst, weil die Insassen mit 50 Rupien pro Tag auskommen mussten und sogar noch weniger für die Kinder. Die es fertigbrachten, eine Arbeit zu erhalten, behielten ihr zusätzliches Einkommen. Eine interessierende Tatsache ist, dass das Lager fast vollständig von Frauen und Kindern in Ordnung gehalten wurde, weil stets nur eine kleine Handvoll Männer in diesem Lager waren. Daraus resultiert auch die grosse Zahl von Klassenräumen und die Tatsache, dass die Einheitskleidung die Scout-Uniform war. Alle Kinder gehörten der Scout-Bewegung an..

Die reichlichste Post von allen indischen Lagern stammt aus dem Lager Valivade. Das indische Postamt richtete eine Zweigstelle in dem Lager ein, aber die einzige Nummer und Bestimmungsort ist bekannt als „Experimental P.O./B-550“.

Es gibt zwei Typen der Einschreib-Markierung: eines ist ein Gummistempel und das andere ein gedruckter R-Zettel mit dem Gummistempel „Experimental P.O./B-550“.

Während des Krieges wurde alle Post durch indische Zensoren zensiert. Es gibt Umschläge mit zwei Arten der Zesurstempel und zwei Arten von Zensur-Verschlussstreifen.

(Eine interessante Feststellung ist, dass es im polnischen Alphabet den Buchstaben „V“ nicht gibt, so dass die Umschläge aus diesem Lager „Waliwade“ als Absender tragen.)

Ergänzung von Henry Wasielewski in newsletter No. 33 S. 12: „Der Artikel über die polnischen Flüchtlinge in Indien ist sehr interessant. Der letzte Absatz über die polnischen Flüchtlinge, die auf ihrem Weg nach Ostafrika das Lager von Karachi passierten, löste ein Rätsel. Ich war in Ostafrika, als ich 1947 oder 1948 noch in der US-Marine diente und an unserem Schiff war eines angedockt, das polnische Flüchtlinge trug. Ich weiss nicht genau, woher sie kamen oder wohin sie gingen. Ich kann mich an einen alten Mann erinnern, der behindert war und einen Stock benutzte (er war 50 oder 60 Jahre alt) und hatte bei sich zwei Mädchen, etwa 10 Jahre alt. Obwohl wir es versuchten, konnten wir uns nicht gut verständigen und ich kann mich erinnern, dass ich ihnen etwas Schokolade, Seife und vielleicht ein paar Päckchen Zigaretten gab. Ihr Schiff war immer noch im Hafen von Mombassa, Kenia, als wir Ostafrika verliessen. Ich werde diesen Vorfall nie vergessen.

Wer weiss mehr?

Weiterführende Literatur:
Kulpinski, Chris, in: newsletter der amerikan. Study-Group „Polish POW and DP Camps“ Nr. 32, S. 1 ff