Internierten Post

Polen in Neu Seeland


Dauer des Lagers:
etwa ab 1944 bis etwa 1952

Lokalisierung:
Neu Seeland, Pahiatua

Grösse des Lagers:

Anzahl der Bewohner:

Nationalität:
polnisch

Da ich Interesse an der Post der Flüchtlinge und Vertriebenen aus der Zeit des 2. Weltkrieges habe, weiss ich, dass in der Sammlung von John Drzewicki in Canada ein Umschlag existiert, der aus dem Flüchtlings-Lager für Kinder in Neu-Seeland während des 2. Weltkrieges stammt, obwohl ich nicht das Datum darauf kannte, das auf den 6. August 1945 lautet.

Ich konnte sehr wenig über diesen Umschlag aus Pahiatua erfahren. Wirkliche Informationen erhielt ich nur von Mitgliedern der Gesellschaft für Postgeschichte von Neu-Seeland.

Zunächst gab mir Mr. Robin M. Startup von Masterton, Neu-Seeland, Herausgeber der „Mail Coach“ die Erlaubnis, aus seinen Briefen zu zitieren: „Ich kann Ihnen wenig über das Lager berichten, obwohl es nur 45 Minuten Fahrt von hier entfernt ist. Es lag westlich von einer Haupt-Autobahn, etwa 1 Meile von Pahiatua auf dem Gelände der früheren Rennbahn von Pahiatua. Der Haupteingang war von der Autobahn her, und nicht von der Landstrasse, welche am Süden des Geländes verläuft.
Das Lager wurde im Januar/Februar 1943 als Internierungslager für 185 Personen eingerichtet (Deutsche, Italiener), die auf einigen Inseln im Hafen von Wellington interniert waren. Zu dieser Zeit des Krieges waren wir mit einem möglichen Angriff der Japaner weiter in den Pazifik hinein und auf Neu-Seeland beschäftigt. Einige Inseln im Hafen wurden als Verteidigungs-Stützpunkte benötigt. Später in 1943, nach der Kapitulation Italien, wurden die in Pahiatua lebenden Italiener freigelassen und am September 1944 wurden die 87 deutschen Internierten aus dem Lager wieder auf die Insel Somes verbracht.

Das Lager Pahiatua wurde dann vorbereitet, um Kinder-Flüchtlinge aus Pahiatua aufzunehmen. Ich habe wenige Details über die Flüchtlinge, aber ich begriff, das sie von Gross-Britannien als kleine Hilfe für dieses Land gebracht wurden (Wahrscheinlich wurden die Kinder auf Aufforderung von Gross-Britannien aus dem Mittleren Osten nach Neu-Seeland gebracht. ED.) Die Kinder wurden von der Bevölkerung Neu-Seelands assimiliert und über das Land verstreut.
Das Lager wurde etwa 1952 geschlossen und wird heute durch ein Denkmal an der Strasse markiert, während ein kleines Unternehmen für Luft-Bekleidung an der Seite eine Abfahrt hat.
Ich habe aus der Zeit der polnischen Kinder keine Umschläge gesehen, glaube aber, dass alle Post durch das Postamt von Pahiatua lief. Die Umschläge selbst waren in keiner Weise auffällig.“ (Nicht ganz. In Abb. 4 wird ein Umschlag mit einem Ankunftsstempel der Polnischen Kinder-Lagers gezeigt. Es ist bis jetzt der einzige, den ich gesehen habe. ED.)

Teilweise wahr. Auf der Vorderseite des Umschlages von Abb. 1 gibt es zwei Hinweise: einer ist subtil: Der Brief ist an eine polnische Person gerichtet. Der zweite wird unter der Quarzlampe sichtbar: in der linken unteren Ecke stehen die Worte „Written in Polish“ (geschrieben in polnischer Sprache) Ich habe sofort die Rückseite betrachtet. Die Praxis, dass die Sprache des Inhaltes angegeben wird, ist nicht ungewöhnlich für Post aus den polnischen Flüchtlings-Lagern und auf Post des II. Polnischen Korps im Mittleren Osten, für Zensur-Zwecke.

Der zweite Hinweis kam von Mr. Armstrong, Sekretär der Philatelistischen Gesellschaft von Neu-Seeland. Er war freundlich genug, mich mit Mrs. M. Z. Schwieters in Kontakt zu bringen. Ich besitze die Fotokopie eines Artikels, den sie für eine katholische Zeitung auf Neu-Seeland schrieb, um an ein sehr spezielles Ereignis zu gedenken.
„Die Heilige Messer wird am Sonntag, den 2. November, abgehalten werden um 16.00 Uhr in der St. Michael's Parish Kirche in Remuera. Mancher mag sich über den ungewöhnlichen Zeitpunkt wundern. Und die Messe mit Bischof Delargy zeigt, dass dieser Tag eine sehr besondere Bedeutung hat.
Es ist der 25. Jahrestag der Ankunft der polnischen Kinder auf Neu-Seeland. Eine Gruppe von 700 von ihnen und einige hundert Erwachsene, ihre Bewacher, erreichten am 1. November 1944 Neu-Seeland. Sie kamen als Antwort auf die Einladung von Mr. Peter Frazer.
Es waren Kinder polnischer Flüchtlinge, die nach dem Einfall Russlands im September 1939 aus ihren Wohnungen vertrieben worden waren. Sie wurden mit der Eisenbahn in Viehwagen durch die Weiten Russlands in die dunklen Wälder Sibiriens gebracht. Dort hatten alle über zehn Jahre wie Sklaven in den Holz(-fäller-)Lagern zu arbeiten.“

Ich will diesen Aspekt des Artikels nicht verfolgen. Ich kenne die Geschichte gut, aber es ist eine andere Geschichte. Zurück zu Neu-Seeland und Mrs. Schwieters.

„Der Krieg endete, aber Polen erhielt seine Souveränität nicht zurück. Seine Bürger wurden vor die Tatsache der Wahl gestellt, im Exil zu verbleiben oder in ein Heimatland zurückzukehren, das nun unter fremder Herrschaft stand. Die Kinder in Neu-Seeland blieben bis auf kleine Ausnahmen in diesem Land. Nach der ersten Periode der Niederlassung in dem polnischen Lager in Pahiatua wurden mit Hilfe des katholischen Bischofs für sie Plätze in kirchlichen Schulen und Jungen-Heimen in ganz Neu-Seeland gefunden, wo sie unter der sympathischen Obhut von Schwestern und Brüdern das Lernen der englischen Sprache und ihre Ausbildung fortsetzen konnten.
Betty Upton Hughes, Korrespondentin des „Auckland Star“ besuchte 1948 das Lager Pahiatua. Sie fand die Zahl der Lager-Insassen stark vermindert, die Kinder waren auf die verschiedensten Schulen verstreut und fast alle waren bei guter Gesundheit. Sie schienen sich an die Verhältnisse von Neu-Seeland gut angepasst zu haben und erhielten von allen, die mit ihnen in Berührung kamen, grosses Lob für ihr gutes Benehmen und den Eifer, mit dem sie sich ihre Lern-Zielen widmeten.
Über die Polen, welche an diesem winterlichen November-Morgen in 1944 nach Neu-Seeland kamen, gab es nicht viele Erwähnungen in der Presse während dieser letzten 25 Jahre. Eine Tatsache, die darauf zurückgeführt werden kann, dass man den eingemeindeten Bürgern in diesen Tagen die öffentliche Aufmerksamkeit ersparen wollte.“

Anfangs erwähnte ich ein Datum: den 6. August 1945. Dies war der Tag, an dem eine amerikanische B 29 die erste Atombombe auf Hiroshima abwarf......

Wer weiss mehr?

Weiterführende Literatur:
Kierstine, Larry: Pahiatua , New Zealand , a WW II Polish Refugee Camp, in: newsletter der amerikan. Study-Group „Polish POW and DP Camps“ No. 38 S. 1 f