| „Das Lagerleben (hier: Ettlingen) war bis Frühjahr 1946 mehr oder weniger in Ordnung. Die ersten Unruhen und Streit gab es erst nach dem Eintreffen der Polnischen Repatriierungs-Kommission. Anfangs hatte die Verwaltung der UNRRA der Repatriierungskommission grosszügige Unterstützung in allen Bereichen angeboten, erst Ende 1946 hat man gravierende Fehler entdeckt. Die damaligen Gegensätze zwischen der Exil-Regierung in London und der Volksregierung in Warschau haben das Leben im Lager mehr als vergiftet. Die Repatriierungskommission bestand aus hohen Offizieren der neuen Volksarmee, die von Anfang an Diplomaten-Status hatten. Alle dafür ausgesuchten Offiziere waren 100%ige Kommunisten und standen unter Aufsicht der Polnischen Militär-Mission in Deutschland, damals schon in Berlin. Für die ABZ war die Polnische Militär-Mission in Frankfurt zuständig, die erst Ende der 50er Jahre nach massivem Druck der Amerikaner ihre Tätigkeit in Westdeutschland eingestellt hatte.
Leider ist über die Tätigkeit dieser Repatriierungskommission in Westdeutschland nach dem Krieg nicht viel bekannt, denn auch die amerikanischen Besatzungsorgane wollen bis heute über deren Tätigkeit nicht sprechen.“
Postbeförderung durch die Repatriierungskommission?
„Es wurden damals bei dem Besuch der Repatriierungskommission verschiedene Such- und Vermissten-Anfragen entgegen genommen, die Repatriierungskommission hat diese Anfragen in eigener Regie nach Polen befördert. In den polnischen philatelistischen Zeitschriften habe ich mehrfach derartige Briefe abgebildet gesehen, die von dieser Repatriierungskommission abgestempelt waren. Unerklärlich ist der zusätzliche Stempel der Zeitschrift „Repatrjant“ in Warschau. Diese Zeitschrift wurde in Warschau gedruckt und war hauptsächlich als Propagandazeitschrift für die polnischen Lager in Deutschland bestimmt, mit grossartigen Versprechungen, wie gut es den polnischen Rückkehrern aus Deutschland in Polen wieder gehen würde.“
©Miczek
1947
Gedenkblock zur Unterstützung der Repatriierung der Polen nach Polen.
Format 158 x 110 mm. Blau und schwarz.
Der Block zeigt 5 Marken, jede enthält oben die Inschrift „POCZTA Z KRAJEM“
Gedruckt worden sollen sein 3.000 Sätze des Blocks, jeder 10 Blöcke enthaltend.
Weil einzelne Marken nicht verkauft wurden, stammen einzelne Marken also aus zertrennten oder beschädigten Blöcken.
Weil der Block ausserordentlich selten ist, ist zu bezweifeln, dass alle Blöcke zu je 1,10 Mark verkauft wurden.
Wer weiss mehr?
Repatriant
In der philatelistischen
Literatur bin ich zum ersten Mal diesem Begriff begegnet in: „Post aus
Polen über die „Polnische Repatriierungs-Mission in der Britischen
Besatzungs-Zone“ von Oskar Micek in ARGE Polen 1978:3/4:20-24.
Micek beschreibt
darin zwei ihm vorgelegte Briefe und die darauf befindlichen Stempel
(die ich aus anderen Stempeln ergänze):
1. Poststempel:
Roznań 14.3.46
2. Zensurstempel: R.P. /
unleserliche 4stellige Zahl / U.C.
3. roter Vierzeiler:
ILLUSTROWANY TYGODNIK
INFORMACYJNY / „REPATRIANT“ / redakcja i Administracja / WARSZAWA UL.
MOKOTOWSKA 48
= ILLUSTRIERTES
WÖCHENTLICHES INFORMATIONSBLATT / „REPATRIANT“ / Redaktion und
Verwaltung / WARSCHAU MOKOTOWSKA-STR. 48
4. grüner Dreizeiler:
POLSKA MISJA
REPATRIACYJNA / na Strefe Brytyjska / POCZTA Z KRAJEM (Mit grosser
Wahrscheinlichkeit sei dieser Stempel in Deutschland hergestellt
worden, denn es fehlen die letzten polnischen Buchstaben in „Strefę“
und in „Brytyjską“.)
= POLNISCHE
REPATRIIERUNGS MISSION / für die britische Zone / POST MIT DER HEIMAT
5. roter Zweizeiler:
Odpowiedżkierowaċ przez
ofizierowlecz- / nikowyck Polskich Misji Repatianjnych (Da dieser
Stempel alle entspr. Buchstaben des polnischen Alphabets enthält, ist
er wahrscheinlich in Polen hergestellt worden.)
= Antwort leiten über die
Verbindungs- / offiziere der polnischen Repatriierungs Missionen
6. violetter
Kreisstempel, 32 mm , Kurzsteg
unten, im oberen Segment: Polska Misja Repatriacyjna / Strefa Brytyska;
im unteren Segment: Poczta z Krajem.
= Polnische
Repatriierungs Mission / Britische Zone // Post mit der Heimat
Leider sind bislang
keine Dokumente gefunden worden, welche Aussagen zu diesem Thema
liefern, so dass nur die bislang geäusserten Aussagen und Vermutung
zur Verfügung stehen. Micek schreibt: „Bisher hatte ich noch nichts
von polnischen Repatriierungs-Missionen gehört, wohl aber von
sowjetischen, die sich auch um die Rückführung ehemaliger
Kriegsgefangener, Ostarbeiter und Angehöriger der Wlassow-Armee
bemühten. Diese aber waren überhaupt nicht rückkehr-willig. Im
Gegenteil: denn beim Auftauchen solcher Repatriierungs-Missionen kam
es zu Panik-Ausbrüchen und Selbstmorden. Was dann weiter mit den
zwangsweise Repatriierten passierte, kann man bei Solschenizin in
aller Ausführlichkeit nachlesen.
Damit möchte ich
keinesfalls sagen, dass sich die polnischen Rapatriierungs-Missionen
einer ähnlich negativen Popularität erfreuten. Leicht kann aber ihre
Aufgabe auch nicht gewesen sein, denn sie waren ja Vertreter des
kommunistischen Regimes in Polen, welches mit Hilfe der einrückenden
Roten Armee an die Macht gekommen war. Das Gros der ehemaligen
Fremdarbeiter und Kriegsgefangenen, die sich in Deutschland befanden,
war grösstenteils pro-westlich eingestellt und sympathiesierte mit der
polnischen Exil-Regierung in London. Ausserdem befand sich in der
britischen Besatzungszone auch polnisches Militär unter britischem
Oberbefehl und unter polnischer Weisung der polnischen Exil-Regierung
in London. Auch die Polen aus London bemühten sich um die polnischen
Vertriebenen in Deutschland, die inzwischen als Displaced Persons
(DPs) bekannt waren.
Die betroffenen Menschen
waren selbst auch in einem Zwiespalt: Einerseits verspürten sie keine
grosse Lust, sich in den kommunistischen Machtbereich nach Polen
repatriieren zu lassen, daher emigrierten viele von Ihnen mit Hilfe
der UNRRA nach Übersee. Andererseits waren ihre Angehörigen noch in
Polen und es zog sie in ihre Heimat. Eben für diesen rückkehrwilligen
Kreis von polnischen DPs sollte meiner Meinung nach die polnische
Repatriierungs-Mission zustäändig sein.
Auftretende
Fragen:
Bisher ist bekannt, dass
Post aus DP-Lagern mit Hilfe der Feldpost der Besatzungstruppen und
mit Hilfe der Deutschen Post ins Ausland, und damit auch in die
Heimatländer der DPs befördert wurde.
In den Anschriften wird
kein Lager genannt. Ist dies ein Hinweis, das nur die Post der
Rückkehrwilligen Personen ausserhalb von Lagern von der
Repatriierungs-Mission vermittelt wurde?
WO erfolgte die Übergabe
der aus Polen kommenden Post an die Deutsche Post? Am Sitz der
Polnischen Repatriierungs-Missionen?
Wie viele dieser
Missionen gab es und wo waren sie stationiert?
Gab es solche polnischen
Repatriierungs-Missionen auch in den anderen Besatzungs-Zonen
Deutschlands?
WO wurde über die
Tätigkeit dieser polnischen Repatriierungs-Missionen berichtet?
Weiterführende Literatur:
© Dr. Manfred G. Heber
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