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Polnische Schiffspost


Die polnische Seepost-Geschichte kann man in drei Zeiträume einteilen:

  • 1. von 1932 bis 1939, als der wiedergeborene Staat seine Flotte ausbaute;
  • 2. von 1941 bis 1945, umfasst die polnischen Schiffsposten auf den polnischen Einheiten der Exilregierung in London und
  • 3. die Schiffsposten nach dem II. Wk.

Die Stempel der Polnischen Schiffspost von 1932 bis 1939.
Nach dem I. WK baute der junge polnische Staat seine Handelsflotte von Anfang an neu auf. Die ersten uns interessierenden Schiffe wurden in den Jahren 1929/30 durch die „Polski Transatlantyckie Towarzystno Okretowe“ (Polnische Transatlantische Schiffsgesellschaft - später Gdynia - Amerika Line) gekauft, und zwar waren dies: MS Pulaski, MS Polonia und MS Kosciuszko. Diese alten Passagierschiffe wurden in den Liniendienst Gdynia - Kopenhagen - New York - Halifax eingestellt. Die Gesellschaft bediente auch die palästinische Linie Konstanza - Haifa und die Linie Gdynia - Südamerika. Seit 1935 stellte die „Gdynia - Amerika Linie“ einige neugebaute Passagierschiffe auf den zuvor genannten Linien neu in Dienst. Es waren dies die Schiffe Pilsudski, Batory, Sobieski und Chrobry.

Es gibt auch Belege, die man als Vorläufer der polnischen Schiffspost bezeichnen kann. Einen quadratischen Rechteckstempel, zwischen dessen innerem und äusserem Rechteck: SKRZYNKA / P. P. ZEGLUGA POLSKA / OKRETOWA / S. S. „GDANSK“ (Schiffsbriefkasten staatliches Unternehmen Polnische Schiffahrt SS. Gdansk -- oder SS. Jadwiga) steht.
Die Reederei P. P. Zegluga Polska führte einen Passagierdienst in der Danziger Bucht seit 1927 durch und seit 1930 auch auf anderen Ostseerouten. Sicherlich handelt es sich bei diesem Stempel noch nicht um einen amtlichen Schiffspoststempel, doch weist er eine postalische Verbindung auf.
Interessant ist auch ein Briefstück mit USA-Frankatur, die mit dem Einzeiler „S/S KOSCIUSKO“ entwertet wurde, daneben der Durchgangsstempel von Danzig vom „21.8.1930“; bemerkenswert vor allem deshalb, weil das Schiff erst am Tage vorher von der dänischen auf die polnische Flagge gewechselt war.

Das erste Bordpostamt wurde erst am 1932-11-22 auf der S/S Pulaki eröffnet. Lt. Postanweisung zur Postbeamtenverpflichtung gehörten folgende Tätigkeiten zur Aufgabe des Beamten: Verkauf von Briefmarken und Postkarten, Empfang und Ausgabe von gewöhnlichen und eingeschriebenen Postsendungen, Ebenfalls von Radio-Telegrammen und Ein- und Auszahlungen auf Postscheckkonten und Sparkassenbüchern. Die Postgebühr sollte mit polnischen Briefmarken zum Auslandfstarif beglichen werden. Es galten folgende Gebührensätze:

  1931 - 1934 1934-10-01
Briefe bis 20 Gramm 60 Groschen 55 Groschen
Postkarten 35 Groschen 30 Groschen
Einschreib-Gebühr 60 Groschen 45 Groschen

Die Bordpostämter wurden mit einheitlichen illustrierten Rechteckstempeln (50 x 30 mm) und mit R-Stempeln ausgerüstet. Für die Jungfernreise der Pilsudski und der Batory waren ausnahmsweise zusätzliche Stempel in Verwendung.
Die Stempel haben oben die Inschrift „AGENCJA POCZT-TEL“, unten „S/S Schiffsname“ und darüber in einem Rechteck das Datum und die Agentur-Nummer, die auch ausgeblockt sein kann. (z.B. „16 IV 39 11“ auf der „S/S PULASKI“ oder „n 4 XI 37 << “ auf der „S/S POLONIA“.) Die Stempel der „S/S KOSCIUSKO“ und „S/S WARSZAWA“ führten die gleiche Nummer der Postagentur Nr. 12.
Die „Illustration“ zeigt links von dem inneren Rechteck den spitzen Bug eines auf den Betrachter zulaufenden Schiffes, rechts von dem Rechteck vier Wellen-Linien.

Die Stempel der Polnischen Schiffspost von 1941 bis 1945.
Die polnische Exilregierung in London verfügte über eine Handels- und eine Kriegsflotte, die aus der polnischen Flotte vor 1939 und aus neugecharterten Schiffen bestand. Im Jahre 1941 organisierte sie mit Genehmigung der britischen Behörden eine „Polnische Post“ in Grossbritannien, welche eigene Briefmarken herausgegeben durfte. Am 1941-12-15 wurden an Bord der polnischen Schiffe Postagenturen eröffnet. Diese Bordpostämter erhielten Rechteckstempel mit Datum und Agentur-Nummer im inneren Rechteck und R-Stempel. Laut Vertrag war es den Bordpost-Agenturen erlaubt, die mit polnischen Freimarken frankierten Sendungen anzunehmen und weiterzuleiten. Es war den polnischen Soldaten in Grossbritannien nur viermal (Weihnachten, Ostern, 3. Mai, 11. November) im Jahr und am Ausgabetag der polnischen Marken erlaubt, die Bordpost-Agenturen zu benutzen.

Das Vorbereiten und die Bearbeitung dieser Briefsendungen war sehr kompliziert: Im Mitteilungsblatt Nr. 221/PP vom 1944-03-06 der Postabteilung des Handelsministeriums steht:

  • -- Briefsendungen aus Soldatenlagern ist nur vier mal im Jahr gestattet.
  • -- Alle Briefsendungen müssen dem Postoffizier übergeben werden.
  • -- Es ist nur erlaubt, Briefsendungen nach Grossbritannien und neutralen Staaten zu senden, Sendungen nach Schweden nur mittels Luftpost.
  • -- Es ist nicht erlaubt, farbige Postkarten und Fotos zu senden.
  • -- Dem Postoffizier ist Bargeld zum Ausgleich für die Briefmarken zu zahlen, das Aufkleben der Marken erfolgt erst in der Postsektion des Handelsministeriums, man kann das Kleben des ganzen Markensatzes fordern.
  • -- Es ist verboten, die mit polnischen Marken freigemachten Postsendungen in englische Briefkästen zu werfen.
  • -- Die Briefe sollen nicht verschlossen sein.
  • -- An einen Empfänger dürfen nur zwei Briefe im Jahr gesandt werden.

Diese Briefe von den in britischen Häfen liegenden polnischen Schiffen wurden von der britischen Post als Auslands-Sendungen angenommen. Die Postgebühr entsprach der polnischen Auslandsgebühr von 1939: 10 Groschen = 1 Penny.

Es gab drei Typen von Bordpoststempeln: eine Type für die Handelsschiffe (Agentur-Nummer im Datums-Rechteck) und zwei Typen für die Kriegsschiffe: Agentur-Nummer innerhalb oder ausserhalb des Datum-Rechtecks.

Wahrscheinlich verwendeten die Postagenturen nicht immer die gleiche Nummer; die Verwendung der aufgeführten Stempel ist bislang noch nicht hinreichend erforscht. Es ist anzunehmen, dass manche Stempel nicht an Bord zum Einsatz kamen.

Die 33 Stempel der Handelsflotte ähneln den vorher beschriebenen, nur dass die senkrechten Seiten des inneren Rechtecks jetzt nach aussen gewölbt sind. Text über dem Datums-Rechteck: POLSKA MARYNARKA / HANDLOWA, unter dem Rechteck: AGENCJA / POCZTOWA.
Die 15 Stempel der Kriegsflotte zeigen mehr von der Breitseite eines Schiffes unter zwei Wolken. Text oben: POLSKA MARYNARKA / WOJENNA, unten: AGENCJA / POCZTOWA.
Zwei davon haben die Agentur-Nummer ausserhalb des Datum-Rechtecks.
Der R-Stempel hat oben den Text: POLSKA MAR. WOJENNA / AGENCJA POCZTOWA, wo­bei die Schreibweise „AGENCJA“ und „AGENCIA“ wechselt.

Über die Schiffspost nach 1948 kann a.a.O. nachgelesen werden.

Wer weiss mehr?

Weiterführende Literatur:
Beitrag in DBZ etwa 1975, wohl gleichlautend mit:
Glowinsgki, Stanislaw, Warszawa in: ARGE Schiffspost Nov. 1976:28:552 ff; 29:589 ff; 30:617 ff; 31:655 ff.
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