Post der DPs

Rimini (ukrainisch)


Die Briefmarken der ukrainischen Aufständischen in der Zeit des 2. Winteraufstandes.
Im Oktober und November 1921 war in Wolhynien, Podolien, dem Gebiet um Kiew und Cherson ein Aufstand gegen die bolschewistische Besatzung ausgebrochen. Gleichzeitig bildeten die Ukrainer ausserhalb der Besatzungsgebiete grosse Gruppen Aufständischer, die kämpferisch voll ausgerüstet in die Ukraine eindrangen. Dort haben sie sich mit den dortigen Aufständischen verbündet und sind weiter tief in die Ukraine eingedrungen. Dieser Aufmarsch ist in der Geschichte unter dem Begriff des Zweiten Winteraufstandes („Wintermarsch“) bekannt geworden. Nach einer geheimen Anweisung, deren Kopie im Archiv aufbewahrt wurde, sind durch den Stab der aufständischen Armee die Feldpost gebildet und Briefmarken zur Verwendung von der marschierenden Truppe und der Zivilbevölkerung in den befreiten Gebieten ausgegeben worden. Zu diesem Zweck dienten vor allem die Briefmarken der Ukrainischen National-Republik (UNR) in Wien. Dem gleichen Zweck diente auch ein kleiner Teil der Wohltätigkeitsmarke der Pädagogischen Gesellschaft und der Heimatschule in Lwow, sowie Erinnerungsmarken der Legion der Freiwilligen und der damaligen sowjetischen Marken, welche durch die Aufständischen auf den befreiten Gebieten erbeutet wurden. Auf diesen Marken wurde mit einem Gummistempel der Aufdruck „Freie Ukraine 1921“ angebracht. Für das Abstempeln der Feldpost-Marken wurden runde Poststempel mit Datum und der laufenden Nummer des Feldpostamtes vorbereitet. Solche Stempel sind mit den Nummern 1 - 5 bekannt. Die Feldpost arbeitete unter den schwierigsten Verhältnissen, unter denen sich auch die Truppe befand. Eigentlich arbeitete sie nur gelegentlich und bis zum 20.12.1921. Danach wurde ihre Tätigkeit durch die bolschewistische Armee niedergeschlagen, welche auch den grössten Teil der Briefmarken der aufständischen Post erbeutet hat.

  • 1. „Infanterist“
  • 2. „Infanterist vor Panzer“

Alle nicht-verkauften Marken wurden in Blonhofen, in der Nähe von Kaufbeuren, wohin das Archiv der Division evakuiert worden war, von einer Kommission vernichtet. (Blonhofen ist 1974 noch im Atlas etwa 8 km nordöstlich von Kaufbeuren, 1980 nicht mehr zu finden gewesen.)

Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht geriet ein grosser Teil der Division in englische Gefangenschaft und wurde im Lager Rimini interniert.
Die Anregung zur Ausgabe der Marken kam von der Redaktion der Lager-Tageszeitung „Das Leben im Lager“. Es wurde ein Wettbewerb für einen Entwurf ausgeschrieben. Mit Einverständnis der Lagerleitung übernahm der Verband der ukrainischen Soldaten-Philatelisten „Der Ukrainische Philatelist“ die technische Durchführung des Vorhabens und auch die Verwaltung der Einnahmen des Fonds. Die Briefmarken wurden als Postgebühren innerhalb des Lagers verwendet und auch neben der offiziellen und galizischen Frankatur auf Sendungen ausserhalb des Lagers angebracht.
Die Währung der „Volksrepublik Ukraine“ ist 100 Shahy = 1 Hryvni (Krone)

Rimini

1946-..-.. Ausgabe zum 350. Jahrestag des Vertrages zwischen der Ukraine und dem Heiligen Stuhl 1596 in Brest. 6 Werte.
Insgesamt wurden 120.000 Sätze gedruckt, davon tragen 9.600 Marken je nach Trennung rechts/links/oben/unten ein bedrucktes Leerfeld. gez. 11, die ungezähnte Menge ist nicht bekannt. Jeder Wert hat also 10 Unternummern!

1946-06-.. 4 Postkarten mit Wertstempeln ähnlich den Nr. 3 bis 5.
Auflagen unbekannt.

1946-08-19 Szenen aus dem Leben der Gefangenen
Es wurden 2.000 Bogen DIN A 4 bedruckt, mit 4 x Nr. 3; 5 x Nr. 4; 5 x Nr. 5; 4 x Nr. 6. In der Mitte des Bogens wurden die Marken als Block in der Grösse 116 x 114 mm angeordnet. Buchdruck in graugrün, geschnitten.

  • 3. 10 Shahy Trompeter zwischen Stacheldraht.
  • 4. 20 Shahy Gefangener hinter Stacheldraht vor einem Zelt.
  • 5. 50 Shahy ein Gefangener hält eine Fackel, im Hintergrund Baracken
  • 6. 1 Hryvni Staatswappen Dreizack vor gekreuzten Gewehren.

1946-10-..
Überstempelung in violett mit „m.y.n. / Dreizack / ymanir“

1946-10-..
Überstempelung in rot mit „m.y.n. / Dreizack / ymanir“

Die Briefmarken der gefangenen Soldaten der Division Galizien wurden in der Felddruckerei des Stabes der ehemaligen Armee von GFM Kesselring gedruckt, welchen dem Lager der ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen in Rimini zugeteilt worden war. Weil die Zeit zwischen den Ausgaben der einzelnen Gedenkmarken und -Serien sehr kurz war und die Druckerei dauernd zahlreiche Bestellungen für das Lager hatte, wurden, um die Arbeit zu beschleunigen, alle Gedenkmarken und Werte der gleichen Farbe in Bögen zu 12 Stück gedruckt. Daher gibt es waagerechte und senkrechte Zusammendrucke verschiedener Werte

1946-11-01
Ausgabe zum 28. Jahrestag des November-Aufstandes, 2 Werte

1946-11-01
Gedenkmarke zum 2. Jahrestag des Todes von Andriej Graf Sceptyckyn
2 Werte

1946-11-15
Fürsten und berühmte Anführer der unabhängigen Ukraine, 12 Werte

1947-01-01
Gedenkausgabe „Ukrainisches Militär“, 6 Werte

1947-01-01
Fest der ukrainischen Armee (Waffenbrüder), 2 Werte

1947-01-10
Ukraine, II. Weltkrieg, 2 Werte

1947-01-10
28. Jahrestag der IV. Verordnung des Zentralrates, 2 Werte

1947-03-01
berichtigte Ausgabe, 1 Wert , dazu drei Abarten

Wer weiss mehr?

Weiterführende Literatur:
Heber, Manfred G.: HANDBUCH der Lagerpost um 1945, Maspalomas, 1995
Heber, Manfred G.: KATALOG der Lagerpost um 1945, Elmshorn, 1986
in beiden auch Angaben zu weiterer Literatur