Tarp

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Tarp
liegt in der Nähe von Esbjerg in Dänemark.

(Nicht zu verwechseln mit dem „deutschen Tarp“, das im 13. Jahrhundert erstmals als tadorpp erwähnt wurde. Dieser Ort liegt an der Treene (dänisch: Trenen) ein Fluss im Norden Schleswig-Holsteins. Sie kommt aus dem Treßsee bei Großsolt (Kreis Schleswig-Flensburg) und mündet nach 73 km bei Friedrichstadt (Kreis Nordfriesland) 25 km oberhalb des Eidersperrwerks in die Eider) und am Ochsenweg. (Die Ursprünge des Ochsenweges liegen wahrscheinlich in der Bronzezeit. Der Weg verlief überwiegend auf der Grenze zwischen den beiden wichtigsten Naturlandschaften Schleswig-Holsteins, dem Geestgebiet des Baltischen Landrückens im Osten und dem Marschland im Westen.)

 

Esbjerg ist mit 114.244 Einwohnern (Stand: 2008) die fünftgrösste Stadt in Dänemark und der wichtigste Nordseehafen des Landes. Die Stadt liegt im Südwesten Jütlands, ihr vorgelagert ist die Insel Fanö (Fanø). (Auf der 55,78 km² großen Insel wohnen 3.143 Einwohner (Stand: 2006). Fanø ist 16 Kilometer lang und misst an der breitesten Stelle 5 Kilometer.)

 

Über die „Ausgabe Tarp“ gibt es bereits mehre völlig unterschiedliche Darstellungen bzw. Publikationen.


1945 wurden die in Dänemark festgesetzten Deutschen Wehrmachtsangehörigen zuerst auf der Insel Fanö interniert. Nach einiger Zeit wurden die Österreicher in ein eigenes Lager in Tarp gebracht.

Sie waren nicht im eigentlichen Sinne „interniert“, denn sie konnten sich frei bewegen, standen unter der Obhut des Roten Kreuz. Für gewöhnliche Briefe und Karten innerhalb Dänemarks gewährte die dänische Post den Lagerinsassen Portofreiheit. Dafür genügte der handschriftliche Vermerk „Interneret Postforsendelse“. Häufig wurde ein roter Rechteckstempel „Interneret Postforsendelse / Portofri“ zur Kennzeichnung verwendet.


Der Lagerinsasse und Philatelist Otto Winter und sein Kamerad Brunnthaler produzierten im März 1946 Klebezettel mit entspr. Text. Dies sind keine „Briefmarken“ , sondern müssen als „Vignetten“ bezeichnet werden. Die tatsächliche Auflage ist sehr wahrscheinlich viel höher als die bislang angegebenen 3.000 Stück.

Der Leiter des Lagers, Kapitän Schusen, dürfte die Kennzeichnung der Sendungen durch diese Vignetten geduldet haben. Später erklärte er dem dänischen Generalpostdirektor Jensen gegenüber, von dieser Massnahme nichts gewusst zu haben.


Die Vignetten wurden in waagerechten Streifen zu je 4 Stück auf weissem, gummierten Papier gedruckt, es lassen sich durch die verschiedenen Rahmen und den Verzierungen in den Ecken 4 Typen unterscheiden. Anfangs erfolgte die Trennung der Vignetten mit der Schere; es dürfte zu Zähnungsversuchen gekommen sein, da ein Inlandsbrief von Winter mit einer sauberen Zähnung vom 1946-04-16 vorliegt. Durchstochene Vignetten mit Entwertung sind ab 1946-04-22 bekannt.

Die Vignetten kommen zwischen dem 1946-03-28 und dem 1946-05-08 echt gestempelt vor; es existieren auch Poststücke mit Daten aus dem August 1946.

Am häufigsten ist der Kreisstegstempel mit Segmenten oben und unten, oben GULDAGER, unten drei Sterne. Es existieren Stempel von ESBJERG, gleich dem von Guldager, sie sind sehr selten. Ebenso ein fast gleicher Stempel, der statt der drei Sterne ein „B“ enthält. der dritte Stempel ist ein Maschinenrollstempel, der vierte der Werbestempel „ESBJERG VESTKRYSTBYEN“ mit Schiff, Anker und Stern.
 

Da für Sonderdienste, wie Einschreiben, Eil- und Sonntags-Sendungen die volle Gebühr in dänischen Briefmarken entrichtet werden musste, finden sich auch Ganzstücke in Dänemark mit „Mischfrankatur“.

Für Briefe nach Österreich –relativ selten-- musste ebenfalls die volle Gebühr in dänischen Briefmarken entrichtet werden; trotzdem aufgeklebte Vignetten dienten nur der „Verzierung“, da sie nicht notwendig waren. Es finden sich auch Poststücke innerhalb Dänemarks, welche mit östereichischer Zensur versehen sind. Es handelt sich hierbei um Belege, die als Briefinhalt in Briefen nach Österreich gesandt wurden.

In Dänemark gerieten diese Vignetten in Verruf, da Winter einen umfangreichen Handel (gegen die begehrten Dänenkronen) damit betrieb. Er gab häufig fingierte Adressen an und kam somit in den Besitz der zurückgesandten Belege.

 

Am 1946-05-09 zog die dänische Post die Gebührenfreiheit für die Post der Österreicher zurück, da die Insassen des Lagers Tarp nicht mehr als Kriegsgefangene oder Internierte angesehen wurden. Ihre Post wurde daher nicht mehr als „Interniert Forsendels“ behandelt und in der Order Zl.J. Nr. 1442 wird auch ersucht, die Vignetten in Zukunft nicht mehr anzuerkennen.

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Der Vierer-Streifen mit den Vignetten wird mit etwa 10 Euro gehandelt, die Briefe liegen zwischen 50 und 80 Euro, je nach Anbieter und Seltenheit der Stempel.

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Literatur: N.N.: Tarp in: Die Briefmarke 1982:272:101-105 (Hrsg. Verband österr. Philatelistenvereine) dort weitere Quellen dafür

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Kopie aus „Michel“.


Die Internierten-Post aus dem Lager Tarp bei Esbjerg 1946

Moxter, H. G.

in: „Philatelistische Nachrichten“ Nr. 28 der FORGE Nordische Staaten, Arbeitsgruppe Dänemark , 1979, S. 161 f.


Bei der Durchsicht der diversen Jahrgänge der Zeitschrift „Luren“ konnte ich aus sechs Artikeln über dieses Thema folgende Tatsachen zusammenstellen, die zu beachten sich lohnen dürfte:

  • Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges wurden in Tarp bei Esbjerg Österreicher interniert.

  • Die dänische Postverwaltung gewährte den alliierten Flüchtlingen in Dänemark, wozu auch die Österreicher gezählt wurden, gebührenfreie Postbeförderung für gewöhnliche Briefe im Inland, welche die Aufschrift „Interneret Postforsendelse“ tragen mussten.

  • Es genügte vollauf, wenn der Absender den Hinweis auf die Interniertenpost handschriftlich auf der Adresssenseite seiner Sendung vermerkte.

  • Die Briefe wurden offenbar bei der Lagerleitung abgeliefert und von dieser dann der Post übergeben. Soweit sie noch keinen Hinweis trugen, wurde ein solcher mit einem Gummistempel aufgebracht.

  • Ab 28. März 1946 tauchten dann Klebezettel auf der Interniertenpost aus Tarp auf, welche die Inschrift „Interneret Brev / Postforsendelse / ØSTRIGERLEJR / 1946 / TARP ESBJERG / Portofrit i / DANMARK“ tragen und ungezähnt und gezähnt in vier Drucktypen vorkommen. Es gab noch eine weitere Type, siehe auch Abbildung.

  • Die Anfertigung der Zettel erfolgte auf die private Initiative zweier Österreicher, der Herren Brunnthaler und O. Winter, letzterer von Beruf Briefmarkenhändler, die solche Zettel auch alsbald Sammlern gegen Dänenkronen anboten und verschiedene Absender, meist in der Skolegade 54 in Esbjerg, angaben.

  • Dänische Zeitungen, damals und auch später, warten sich immer einig, dass es sich bei diesen Aufklebern um reine Mache handelt, so z.B. „Berlingske Tidende“ vom 21.5.19446, „Vestkysten“ vom 22.5.46 oder „Skilling“ vol. 1, No. 7.

  • Zur „Arbeitserleichterung“ hatten die Erfinder solche Zettel auch der Lagerleitung angedient, die einige Zeit brauchte, bis sie den Braten roch.

  • Die Generaldirektion der dänischen Post war durch diese Machenschaft immerhin so erbost, dass sie in einem Schreiben vom 9.5.46 an das Postamt Esbjerg die Gebührenfreiheit für das Lager Tarp aufhob, „da die Internierten Flüchtlinge im Lager weder Kriegsgefangene noch Zivilinternierte sind und ihre Post daher auch nicht als gebührenfreie Interniertenpost behandelt werden kann.“ Gleichzeitig wurde das Postamt Esbjerg angewiesen, die Lagerleitung zu ersuchen, die Klebezettel nicht mehr zu benutzen.

  • Der heftige Protest gegen die Machenschaft im Inland beeinflusste den Export nicht, im Gegenteil. Die „Schweizer Briefmarken Zeitung Nr. 7 von 1946“ bringt ein Angebot „RRR Dänemark Neuheit 1946“, in dem sie diese Zettel gegen Schweizerfranken von Herrn O. Winter offeriert werden. Es gibt da postfrische Einzelstücke, Originalbogen, „echt gelaufene“ Briefe, Retourbriefe und Einschreibebriefe.

  • Eine Verwendung dieser Zettel war zu keiner Zeit vorgeschrieben, der einfache handschriftliche Vermerk auf der abgehenden Post reichte bis zum 9.5.46 aus.

  • Die Zettel wurden in privatem Auftrag gedruckt und zur Erzielung eines „amtlichen“ Eindrucks im Lager eingeschleust.

  • Vorgelegte Briefe tragen fast ausschliesslich Phantasieadressen in Dänemark und wurden dann mit Stempeln wie „Retour / Empfänger unbekannt“ an die Absender zurückgeschickt, was diese ja auch bewirken wollten, gelangten sied doch so in den Besitz von „echt gelaufenen“ Briefen.

  • Es wurde auch ein Brief gezeigt, welche am 9.4.46 in Hobro gestempelt und in das Lager adressiert ist. Der Zettel klebt hier ungestempelt neben dem Poststempel. Entweder wurde er erst nachträglich hinzugeklebt oder der ganze Brief ist Mache.

Die jahrzehntelange Anwesenheit dieser Machwerke auf dem philatelistischen Markt sollte uns ihre Herkunft nicht vergessen lassen und uns veranlassen, alle Sammler vor dieser Mache zu warnen. Übrigens, einen wirklichen Interniertenbrief aus Tarp dürfte wohl jeder Dänemark-Sammler gerne seiner Sammlung einverleiben, aber dann bitte ohne Klebezettel.


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Die Quelle dieses Artikels ist die amerikanische Zeitschrift „Luren“ herausgegeben vom südkalifornischen Chapter 17 des Scandinavian Collectors‘ Club.

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Österreichische Interniertenpost in Dänemark (Tarp-Lager)

von Fréderic Patka, Wien

in: Die Sammler-Lupe 1954: 3:38/39

Über die Marken des Lagers Tarp zu schreiben, ist keine reine Freude und wird mir sicher keine Freunde einbringen, doch glaube ich, wird es von Interesse sein, der breiten Öffentlichkeit über diesen Zankapfel etwas mehr zu berichten als kurze Katalognotizen, die nichts sagen, niemand nützen und zusätzlich die Verwirrung um diese Lagerpost nur noch mehr verstärken. Das Hinein- und Hinausnehmen aus den Katalogen ist wahrscheinlich dazu angetan, Klarheit zu verschaffen.

Um es vorwegzunehmen, man kann sammeln, was man will und um auch jenen recht zu run, die gegen die Tarp-Marke sind, ja, es ist keine Postmarke im landläufigen Sinne, d.h. Eine von der Postverwaltung zu einem bestimmten Nennwert abgegebene Marke, sondern ein Klebezettel, Portofreiheitsmarke oder wie man ihn sonst noch nennen mag, zur Kennzeichnung der Portofreiheit, aber was ändert das daran? Sie ist da, wurde verwendet und hat genau so Anspruch auf Sammelberechtigung wie alle andere aus einem Nebengebiet der Philatelie. Doch 3wer sie nicht will, muss sie ja nicht erwerben. Von wo die Herstellung dieser Marke angeregt wurde, ist im Grunde völlig gleichgültig, denn, um ein Beispiel zu nennen, die Idee einer Marke zum Tag der Briefmarke stammt auch nicht von der Postdirektion selbst, sondern der Philatelistenverband tritt an sie heran, um eine derartige Marke zu erwirken. Schliesslich bekommt er auch den Zuschlag, also auch hier stammt die Idee von privater Seite.

Von Wichtigkeit ist lediglich, ob sie wirklich im Tarp-Lager offiziell ausgegeben und verwendet wurde, bzw. die Verwendung von offizieller Seite gestattet war – das übrige bleibt jedem Sammler überlassen, der sich dafür interessiert.

Nachstehendes soll dazu dienen, etwas Klarheit in die reichlich verworrene Geschichte zu bringen.

 

Nach Ende des zweiten Weltkrieges befanden sich auf dänischem Boden ausser der gesamten deutschen Besatzungsarmee noch andere deutsche Einheiten, die sich nach Dänemark abgesetzt hatten und schliesslich zahllose Flüchtlinge aller Nationen, die nun nach Kriegsende in Dänemark interniert bzw. in Gefangenenlagern untergebracht wurden, insgesamt einige hunderttausend Personen.

Ausser dem deutschen Militär, das in Kriegsgefangenenlagern untergebracht wurde, erfolgte die Zusammenziehung der Flüchtlinge getrennt nach Nationalität. Die Angehörigen der befreiten Nationen, wie Polen, Balten, Ungarn, Holländer und schliesslich auch die Österreicher, wurden in DP-Lagern zwecks baldmöglichster Repatriierung gesammelt. Die Lager selber unterstanden der britischen Militärverwaltung, führten jedoch dänische Lagerkommandanten, die vom dänischen Roten Kreuz gestellt wurden und für die Führung des Lagers verantwortlich waren.

Alle diese Lager erhielten auf Antrag von der Postverwaltung für ihre Insassen Portofreiheit für ihre Post innerhalb Dänemarks. Diese Interniertenpost musste gekennzeichnet werden; auf welche Art, blieb der Initiative der Lagerleitung überlassen, ob durch Handschrift, verschiedene Stempel oder schliesslich durch eigenen Klebezettel, war gleichgültig. Die Post jedenfalls stellte weder Stempel noch sonstige zur Verfügung.

 

Die Österreicher, ungefähr 500 Personen, wurden im Juni 1945 im Lager Odense-Rosenhavn untergebracht. Nach einem halben Jahr, Anfang 1946, erfolgte jedoch die Verlegung nach dem neuen Lager bei Tarp, ungefähr 4 km von Esbjerg. Lagerkommandant war hier Kapt. Seehusen.


Die österreichischen Internierten wurden nicht gezwungen, im Lager zu leben, sondern konnten auch auuserhalb desselben Arbeit annehmen und sogar wohnen, allerdings mussten sie dann auf verschiedene Vergünstigungen des Lagers , so auch die Portofreiheit, verzichten.

Das Tarp-Lager erhielt seine Portofreiheit Ende Februar 1946 zuerkannt und nahm dann einen Rechteckstempel von 19 x 40 mm und der Inschrift „Interneret Postversendelse / portofri“ in Gebrauch. Anfangs wurde er in roter, später in schwarzer Farbe verwendet.

 

Diese Kennzeichnung war jedoch noch immer nicht zufriedenstellend, da von den Empfängern mitgeteilt wurde, dass sie verschiedentlich für Briefe, die mit diesem Stempel versehen waren, Strafporto zu zahlen hatten. Dies deshalb, weil manchmal der ohnehin nicht sehr deutlich sichtbare Rechteckstempel, besonders auf farbigen Umschlägen durch das Abschlagen des Ortsstempels unleserlich gemacht wurde und dadurch als unfrankiert behandelt und auch mit Strafporto belegt wurde.

 

Der Rechteckstempel selber war bis einschliesslich 27. März 1946 in Verwendung.

 

Solange dieser Stempel in Gebrauch war, wurde die Post ausschliesslich im Lagerbüro gesammelt,


mit dem Stempel versehen und beim dänischen Staatspostamt in Guldager oder Esbjerg aufgeliefert, da Tarp kein eigenes Postamt besass.

 

Aus den oben geschilderten Umständen sann man, diesem Übelstand abzuhelfen und kam auf die Idee, einen Klebezettel anfertigen zu lassen, der deutlich die Portofreiheit belegte und ein Übersehen unmöglich machte. Von wem diese Initiative stammt, ist meiner Ansicht nach gleichgültig; diese Etiketten wurden an alle Lagerinsassen in unbegrenzter Menge kostenlos abgegeben , d.h. auf die im Lagerbüro aufgelieferten Poststücke aufgeklebt, und zwar vom 28. März bis einschliesslich 8. Mai 1946.


Diese Klebezettel wurden nun an Stelle des Stempels des Lagerbüros auf dem Poststück angebracht. Die Abgabe erfolgte im Lagerbüro nur gegen die vorgelegten Poststücke, mussten sofort aufgeklebt und im Lagerbüro belassen werden, das seinerseits wieder für die weitere Beförderung Sorge trug. Zusätzlich wurde auch erlaubt, falls es sich um dringende Post handelte, die mit den Marken versehenen Poststücke selbst beim Postamt Guldager oder Esbjerg aufzuliefern, was vorher unmöglich war.


Dass diese Etiketten von der dänischen Post voll anerkannt wurden, geht daraus hervor, dass bei Reco- oder Expresssendungen der Betrag von 20 Öre (Inlandsporto) weniger zu entrichten war, also die Etikette mit 20 Öre in Rechnung genommen wurde. Auch ist hier kein einziger Fall bekannt, dass Poststücke, versehen mit dieser Portofreiheitsmarke, von Seiten der dänischen Post mit Strafporto belegt worden sind.

 

Als bester Beweis ist jedoch wohl die Ausserkurssetzung dieser Lagermarke zu werten, was wohl vollkommen unsinnig gewesen wäre, wenn es sich um ein Phantasieprodukt gehandelt hätte, das von der Post nie für den angegebenen Zweck angenommen worden wäre. Diese Verfügung ist nur vom Postamt Esbjerg an den Lagerchef gerichtet, der diese dann auch öffentlich anschlug, um allen Lagerinsassen davon Kenntnis zu geben.


Die Übersetzung dieser Verfügung lautet:

Esbjerg Postkontor

J. N. 9. Mai 1946

Unter Bezug auf das Telefongespräch wird mitgeteilt, dass das Generaldirektoriat [gemeint ist die Generalpostdirektion] erklärt hat, dass die im Tarp-Lager internierten Flüchtlinge weder als Kriegsgefangene noch als Zivilinternierte betrachtet werden können, und daher kann ihre Post auch nicht mehr als portofreie Interniertenpost behandelt werden.

Gleichzeitig hat das Generaldirektoriat das Postamt gebeten, das Lager zu benachrichtigen, die bisher verwendeten Marken in Zukunft nicht mehr zu verwenden.

Ergebenst (Unterschrift).


Daraus geht eindeutig hervor, dass die Tarp-Lagermarke von der Postverwaltung als Kennzeichnung der portofreien Post der Lagerinsassen innerhalb Dänemarks vom 28. März bis 8. Mai 1946 anerkannt worden war.


Ausser der Tarp-Marke existiert noch eine andere, in grüner Farbe, die in einem deutschen Lager in Kobenhavn verwendet wurde, also war diese Idee mit den Klebezetteln keine vereinzelte.


Im Sommer 1946, nach der Ausserkurssetzung dieser Marke, erhielt auch eine Anzahl dänischer Sammler und Händler von der Existenz dieser Klebezettel Kenntnis und fanden sich auch im Lager ein. Sie boten für diese Marken, wie auch für Poststücke mit denselben, eine Menge Geld, und bekanntlich bestimmt die Nachfrage den Preis. Wenn diese „Zettel“ so interessant und ohne Wert gewesen wären, dann ist nur verwunderlich, warum diese Sammler und Händler wohl das Lager besucht hätten und vor allem von ich aus hohe Preise zahlen wollten.


Geschäftstüchtig waren auch die Insassen des deutschen Lagers mit der grünen Marke, und dieser Handel machte seinerzeit sogar die Runde durch die erboste dänische Presse, da verschiedene Kreise damit nicht einverstanden waren. So schrieb eine Zeitung: „...nicht nur, dass die Flüchtlinge von uns unterhalten werden müssen, wollen sie nunmehr an Marken, die ihnen kostenlos abgegeben werden, viel Geld verdienen. Dies muss unter allen Umständen verhindert werden...“


Dass es aber die Händler und Sammler selbst waren, die von vornherein hohe Preise zahlten, stand allerdings nicht dabei.

Diese Zeitungskampagne führte auch zu einem Interview eines Reporters des „Esbjerg Avis“ am 22. Mai 1946 mit dem Tarp-Lagerchef Kapt. Seehusen.

Auf die Frage, um welche Marke es sich hier handele, antwortete Kapt. Seehusen: es handele sich hier um Marken, die eine Zeitlang auf Briefen der Lagerinsassen geklebt wurden, jedoch jetzt nicht mehr in Gebrauch wären. Auf die weitere Frage, ob er gewusst habe, dass mit diesen Marken Geschäfte gemacht würden, antwortete Kapt. Seehusen: er habe gehört, dass Sammler derartige grüne Marken, die in Kobenhavn hergestellt worden waren, offeriert erhielten. Dass jedoch derartiges auch in seinem Lager und mit (wörtlich) unseren Marken geschah, ahnte er nicht.

Wenn nun der Lagerchef noch zu allem anderen die Klebemarken als „unsere“ Marken bezeichnet, so ist die Behauptung, dass es sich hier um ein Phantasieprodukt handele, endgültig ad acta zu legen.-

Tarp-Marke

Die Marke selbst wurde in Streifen zu je vier Stück auf weissem, gummierten Papier in Rot gedruckt, und zwar existieren vier verschiedene Typen.

Inschrift: Interneret Brev / Postforsendelse / ÖSTRIGERLEJR / 1946 / TARP ESBJERG / Portofri i / DANMARK (Internniertenbrief, Postbeförderung portofrei in Dänemark – Österreicherlager Tarp – Esbjerg 1946).

Type I, II: Der Rahmen besteht aus einer Art gedrehten Zopf, in den 4 Ecken je ein kleines Zierstück.

Type III, IV: Hier besteht der Rahmen aus einer vollen Wellenlinie, in den Ecken wieder die Zierstücke. Type IV zeigt die Inschrift „Östrigerlejr-Tarp Esbjerg“ noch in anderen Lettern als Type I, II und III.

Die Unterscheidungsmerkmale der Type I und II, bzw. III und IV (ausser der Inschrift bei Type IV) sind die kleinen Zierstücke in den vier Ecken, die sich in verschiedenen Stellungen finden. Dies ist am besten aus der Abbildung zu ersehen, die Typen sind von links nach rechts I, II, III und IV.

Diese Portofreiheitsmarken sind ungezähnt und durchstochen ausgegeben worden.

Die Auflagen sind:

2.740 Stück pro Type, also 11.000 Stück ungezähnt, und

1.000 Stück pro Type, also 4.000 Stück durchstochen.

Weiter wurde im Lager eine Postkarte ausgegeben: Weisser Karton mit blauem Druck, oben Mitte BREVKORT, links ÖSTRIGERLEJR / TARP ESBJERG, in der Mitte senkrechten Trennungsstrich, rechts Adr... und drei Adresslinien.


Als Lagerstempel wurde ein roter Dreizeiler: Kreuz im Kreis / Danske Röde Kors / Tarplejren verwendet. Dieser Stempel findet sich auf den meisten Poststücken des Lagers, ausser bei den Karten, wo er öfter fehlt, da die Lagerbezeichnung bereits aufgedruckt war.


Die Entwertung der Poststücke erfolgte in Guldager wie Esbjerg mit den dort verwendeten verschiedenen Poststempeln.


Das Tarp-Lager wurde im November 1946 aufgelöst und die Insassen nach Österreich abtransportiert.

Insgesamt war die Tarp-Marke 42 Tage in Verwendung gewesen.

 

Alle diejenigen, die sich für diese Marke oder Klebezettel) interessieren und die vorstehenden Ausführungen gelesen haben, mögen nun selber darüber entscheiden, ob sie gewillt sind, diese zu erwerben oder nicht. Jedenfalls kann man nicht diktatorisch bestimmen, was gesammelt werden darf oder nicht. Der eine sammelt die von einer gewinnsüchtigen Postverwaltung am Fliessband ausgegebenen, grellbunten und bei Gott nicht immer schönen Produktionen, bei denen der Erscheinungszweck oft sehr fragwürdig bzw. an den Haaren herbeigezogen ist und die nur deswegen erscheinen, um die Brieftaschen zahlloser Sammler zu erleichterrn. Hier wird ja nicht gefragt warum und wieso, die Marken wurden von der Post ausgegeben und damit Schluss, oder er sammelt einen womöglich zerfransten Brief mit einem oder mehreren Stempeln, die ihm ein Stück Geschichte erzählen.


So soll jeder nach seinem Empfinden entscheiden und sich nicht erdreisten, jemanden Vorschriften über das Was und Wie des Sammelns zu machen – dies ist meine bescheidene Ansicht.

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Was wird durch Katalogisierung sammlungswürdig?

in: Die Briefmarke (Österr.) 1974: 181: 32

Die Zeitschrift „Briefphila“hat einen typischen Fall von Manipulation aufgedeckt, wie er leider in der Philatelie immer wieder vorkommt. Ein dänischer Händler bot „Portofreiheitsmarken LAGERPOST TARP 1946“ an. Als Referenz führte er die Kataloge FACIT und ANK an. Der ANK hat diese sogenannten Protofreiheitsmarken unter die Provisorien aufgenommen, da im dänischen Lager Tarp Österreicher interniert waren.

 

Das dänische Postministerium antwortete auf ein Anfrage klar und bündig: „Meine Verwaltung hat zu keiner Zeit die Erlaubnis gegeben, die erwähnten Marken – die privat hergestellt sind – zu benutzen. Auch wurden die Marken nie als Wertzeichen zur Frankierung anerkannt. Falls Sendungen mit solchen Marken mit dm amtlichen Entwertungsstempel versehen an einzelne Empfänger gelangt sein sollten, ist dieses auf ein Versehen der Aufgabepostanstalt zurückzuführen, weil solche Sendungen mit Nachgebühr hatten belaste sein sollen.“


Der Michel West 1974 schreibt dazu auf S. 183: Diese Marke ist als private Mache anzusehen.

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weitere Literatur:

Lange, Wilhelm: TARP-Lagerpost in Dänemark. in: Motivieren Rotes Kreuz 1993:115:11-13

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© Dr. Manfred G. Heber